Krisenbewältigung am Arbeitsmarkt

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt könnte eine Schwächung des Kündigungsschutzes die interne Flexibilität sogar reduzieren. Die relativ hohe Beschäftigungsstabilität in einer tiefen Wirtschaftskrise, die Deutschland derzeit im internationalen Vergleich auszeichnet, wäre dann schwerer zu erreichen.

Zu diesem Ergebnis kommen die Arbeitsmarktexperten des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Doktor Camille Logeay und Doktor Alexander Herzog-Stein werteten die Forschungsliteratur zur Wirkung des Kündigungsschutzes auf die Arbeitslosenquote aus. Zum anderen analysieren sie, welche Faktoren dazu führen, dass die massiven Einbrüche bei Wirtschaftsentwicklung und Produktion bislang nur wenig auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen haben.

Eine deutliche Mehrheit der Studien stellte keinen statistisch signifikanten Einfluss des Kündigungsschutzes auf die Arbeitslosigkeit fest. Drei weitere Studien ermittelten einen teilweise signifikanten Zusammenhang, allerdings in unterschiedlicher Richtung: In zwei dieser Untersuchungen korreliert ein höheres Kündigungsschutzniveau mit höherer Arbeitslosigkeit, während in der dritten ein stärkerer Kündigungsschutz teilweise mit einer geringeren Arbeitslosigkeit korreliert. Lediglich zwei der 13 Untersuchungen attestieren einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen einem höheren Kündigungsschutz und höherer Arbeitslosigkeit.

Der wissenschaftliche Befund, dass das Ausmaß der Arbeitslosigkeit nicht vom Kündigungsschutz beeinflusst wird, wird noch durch eine weitere Beobachtung von Arbeitsmarktforschern erhärtet: International vergleichende Studien, die Arbeitslosenquote und Arbeitsmarktstrukturen in Zusammenhang setzen, können die deutsche Entwicklung seit Anfang der 1990er Jahre erheblich schlechter erklären als in anderen OECD-Ländern. Die Forscher halten es für plausibel, dass spezifische Ausnahmephänomene der deutschen Wiedervereinigung die Entwicklung der Arbeitslosigkeit stärker beeinflusst haben als Institutionen wie der Kündigungsschutz.

MEDICA.de; Quelle: Hans-Böckler-Stiftung