Kurzarbeit kein Allheilmittel

In einer Studie schreiben Andreas Crimmann und Frank Wießner vom Institut für Berufsforschung (IAB), man solle die Wirkungen nicht überschätzen: "Je länger die Krise andauert, desto weniger kann Kurzarbeit die Folgen abfedern."

Kurzarbeit sei zwar das Arbeitsmarktinstrument der Stunde. Dass die Arbeitslosigkeit trotz der schweren Wirtschaftskrise bislang nur gering gestiegen ist, sei maßgeblich auf Kurzarbeit zurückzuführen. Die derzeit 1,1 Millionen Kurzarbeiter entsprechen der Studie zufolge bei einem Arbeitsausfall von durchschnittlich einem Drittel der Arbeitszeit rechnerisch einer Verringerung der Arbeitslosigkeit um rund 400.000.

Die Forscher sehen in dem Instrument jedoch kein arbeitsmarktpolitisches Allheilmittel: "Kurzarbeit kann den Unternehmen helfen, die Krise besser zu bewältigen. Sie kann aber Arbeitsplätze nicht nachhaltig sichern, wenn dauerhafte Beschäftigungsperspektiven fehlen."

Auch beim Thema Weiterbildung während der Kurzarbeit warnen Crimmann und Wießner vor überzogenen Erwartungen: "Die Förderung ist grundsätzlich sinnvoll, kann aber nur unter bestimmten Bedingungen positive Wirkung entfalten." Unternehmen würden Wert auf möglichst betriebsnahe Qualifizierungen legen. Das betriebsspezifische Know-how habe den größten Nutzen wiederum am angestammten Arbeitsplatz. Sollte dieser trotz aller Gegenmaßnahmen der Krise doch noch zum Opfer fallen, werde die Beschäftigungsfähigkeit der Betroffenen durch betriebsbezogene Bildungsinvestitionen nicht wesentlich verbessert.

Die Neuregelung, dass ab dem siebten Monat Kurzarbeit auch ohne Qualifizierungsmaßnahmen die Sozialabgaben des Arbeitgebers vollständig durch die Bundesagentur für Arbeit übernommen werden, reduziere tendenziell die Neigung der Betriebe, bei lang andauernder Kurzarbeit auch längere Qualifizierungsmaßnahmen durchzuführen.

MEDICA.de; Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)