Etwa 20 bis 30 Prozent der Frauen leiden nach der Geburt an einer postpartalen Urininkontinenz. Drei bis fünf Prozent gar an einer Stuhl-Inkontinenz. Darüber, wie man diese Probleme behandeln sollte, gibt es noch keine Klarheit. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Beckenbodentraining besser ist als kein Training und dass die Wirkung mit der Intensität der Übungen ansteigt.

In einer Studie sollten nun die Langzeiteffekte eines konservativen Beckenbodentraining, das von speziell geschulten Schwestern geleitet wird, gemessen werden. Durchgeführt wurde diese Studie an drei Zentren in Großbritannien und Neuseeland. 747 Frauen mit postpartaler Urin-Inkontinenz drei Monate nach der Geburt nahmen daran teil. 516 von ihnen konnten auch sechs Jahre danach noch einmal untersucht werden.

Randomisiert wurden sie fünf, sieben und neun Monate nach der Geburt mit einem gewöhnlichen, konservativen Beckenbodentraining samt Blasentraining behandelt oder nicht. Ein Jahr nach der Geburt waren unter den Trainierenden signifikant mehr Frauen beschwerdefrei als ohne Training. Ähnliches galt für die Stuhl-Inkontinenz. Sechs Jahre nach der Geburt sah das aber etwas anders aus: Jetzt waren in beiden Gruppen, das heißt mit und ohne Training, gleich viele Frauen beschwerdefrei. Dennoch hatten drei Viertel der Frauen noch immer eine Harninkontinenz, zehn Prozent eine Stuhlinkontinenz.

Dieses Ergebnis ist enttäuschend, bestätigt aber frühere Untersuchungen zu diesem Thema. Die Studienautoren spekulieren darüber, ob eine andre Art von Training, möglicherweise unter Anleitung von Physiotherapeuten, das Ergebnis verbessert hätte. Weitere Studien sollen das nun zeigen.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2005, Vol. 330, S. 337