"Haben wir ein Recht auf Stille?", fragte Professor Dr. Michael Kloepfer von der Humboldt-Universität zu Berlin in seinem Eröffnungsvortrag. Lärm werde in Deutschland und Europa als erhebliche Belastung menschlicher Umweltqualität wahrgenommen. Dass dies nicht einfach als Preis des technischen Fortschritts hinzunehmen sei, ist nicht zuletzt auch das Anliegen der EU-Umgebungslärmrichtlinie, die derzeit in nationales Recht umgesetzt wird.

Vor diesem Hintergrund sowie angesichts der aktuellen Novellierung des deutschen Fluglärmgesetzes hatte die Europäische Akademie zahlreiche Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verbänden dazu eingeladen, das Thema eingehend zu diskutieren.

Professor Dr. Ludwig Krämer von der Europäischen Kommission in Brüssel hielt dagegen, dass ein bevorzugtes Recht auf Ruhe bei lärmverursachten Eingriffen in die körperliche Unversehrtheit des Menschen postuliert werden könne. Diese scheint aber im Falle des Verkehrslärms kaum nachweisbar gefährdet zu sein.

Vielmehr überwiegen laut Professor Dr. Barbara Griefahn (Universität Dortmund) Belästigungswirkungen und Leistungsstörungen als Nebenfolgen des Verkehrslärms. Damit sind insbesondere subjektive Einschätzungen individueller Lärmbelastungen verbunden, die eine objektive Beurteilung und Regulierung der Verkehrslärmproblematik erschweren.

Nach Ansicht von Professor Dr. Heinrich Weyer (DLR, Köln) und Professor Dr. Gerhard Steinebach von der Universität Kaiserslautern besteht trotz erheblicher technischer Lärmminderungsgewinne und raumplanerischer Vorsorge weiterhin ein entsprechender Problemlösungsbedarf, da diese Gewinne durch den stetigen Mobilitätszuwachs bislang aufgezehrt wurden.

MEDICA.de; Quelle: Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen