Lymphdrüsenkrebs: Lamas sollen Therapie revolutionieren

24/04/2013
Foto: Lymphomzellen

Aufnahme von Lymphomzellen, die mit Nanobodies markiert sind. Die Kerne erscheinen durch die Färbung blau. Die Nanobodies sind mit einem Fluoreszenz-Farbstoff rot markiert;
© Peter Bannas

Gegenwärtig erfolgt die Therapie und Diagnose von Lymphknotenkrebs hauptsächlich mithilfe konventioneller Antikörper. Diese sind jedoch aufgrund ihrer Größe nur eingeschränkt geeignet. Ein hohes Verbesserungspotenzial sehen Hamburger Wissenschaftler in der Verwendung von Antikörpern aus Lamas.

Lamas verfügen neben den konventionellen Antikörpern auch über kleinere, sogenannte Schwere-Ketten-Antikörper. Daraus stellen die Experten mithilfe gentechnischer Methoden noch winzigere Partikel her und markieren damit Eiweiße auf der Oberfläche von Lymphomzellen. Das Forscherteam will die sogenannten Nanobodies nun für die Behandlung von Lymphdrüsenkrebs weiterentwickeln.
Für die Therapie von Lymphdrüsenkrebs (Lymphomen) stehen bisher neben der klassischen Chemotherapie zusätzlich Antikörper zur Verfügung, welche unter anderem gegen das Zelloberflächen-Protein CD38 gerichtet sind. Diese Antikörper führen zum Schrumpfen der Tumoren, erreichen aber aufgrund ihrer Größe nur schwer das Tumorinnere. Dadurch können einzelne Tumorzellen mitunter überleben.

Doktor Peter Bannas aus der Klinik für Radiologie und Professor Friedrich Koch-Nolte aus dem Institut für Immunologie am Universitätsklinikum Hamburg wollen gemeinsam überprüfen, ob sich durch den Einsatz der zehnmal kleineren Nanobodies gegen CD38 die Tumordurchdringung erhöht, und damit ein diagnostischer sowie therapeutischer Vorteil gegenüber den konventionellen Antikörpern erzielen lässt.

Koch-Nolte konnte in Vorarbeiten demonstrieren, dass aus Lamas gewonnene Nanobodies sowohl im Reagenzglas als auch im Mausmodell nicht nur an spezifische Zelloberflächen-Proteine von Lymphom-Zellen binden, sondern gleichzeitig auch die Funktion der Zellen beeinflussen. Bannas gelang es, Lymphome in der Maus mithilfe Fluoreszenz-markierter Nanobodies und dem Einsatz der sogenannten Fluoreszenz-optischen Bildgebung nachzuweisen. Im Vergleich zu konventionellen Antikörpern erwies sich die Verwendung der Nanbodies als bis zu zehnmal effektiver.

Das Ziel des gemeinsamen Projektes der Forscher ist die Weiterentwicklung der Nanobodies für den gleichzeitigen Einsatz bei Diagnostik und Therapie – als ein sogenanntes „Theranostics“.

MEDICA.de; Quelle: Wilhelm Sander-Stiftung