Lange Stillzeit erhöht das Diabetesrisiko nicht

Nicht die Stllzeit, die Milchmenge in
der ersten Woche ist entscheidend
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Kinder von Müttern mit Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko, als Erwachsene an Übergewicht und eingeschränkter Glukosetoleranz zu leiden. Kürzlich haben Studien Hinweise darauf geliefert, dass das frühe Bruststillen der Kinder das Risiko mengenabhängig deutlich erhöhen könnte. In einer Studie untersuchten Wissenschaftler nun, inwiefern der Zeitpunkt des Stillbeginns einen Einfluss darauf hat, ob Kinder diabetischer Mütter zu Übergewicht beziehungsweise Diabetes mellitus neigen.

112 Säuglinge diabeteskranker Mütter wurden in diese Studie mit einbezogen. Alle wurden von ihren Müttern in der zweiten bis vierten Woche nach der Geburt gestillt. Wie sich zeigte, haben Kinder, die ausschließlich gestillt werden, tatsächlich ein erhöhtes Risiko, an Übergewicht zu erkranken (p gleich 0.01). Außerdem gibt es offenbar eine positive Korrelation zwischen der Dauer des Stillens und dem Risiko des Übergewichts (p gleich 0.004). Auch der 120-Minuten-Glukosewert nach oralem Glukosetoleranztest ist bei längerem Stillen häufiger gestört (p gleich 0.02).

Als man aber untersuchte, wie viel Milchvolumen die Säuglinge in der ersten Lebenswoche zu sich genommen hatten, relativierten sich die zuvor beschriebenen Assoziationen wieder deutlich. Zwischen dem Blutglukosewert der Mutter in der Mitte des dritten Trimenons und Übergewicht beziehungsweise Diabetesrisiko der Kinder gab es keinerlei Zusammenhang.

Wenn diabetische Mütter Kinder bekommen, dann scheint es für die weitere Entwicklung des Säuglings offenbar wichtiger zu sein, ob und wie viel Muttermilch er in der ersten Woche seines Lebens bekommt, als die Frage, wie lange die Mutter ihr Kind insgesamt stillt.

MEDICA.de; Quelle: Diabetes Care 2005, Vol. 28, S. 1457-1462