Langzeitverlauf von Antikörpern gegen Myelin-Protein gibt Auskunft

Dazu haben die Wissenschaftler das Blut von Kindern mit akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM) und Multiple Sklerose (MS) in regelmäßigen Abständen über durchschnittlich 44 Monate hinweg auf Antikörper gegen das sogenannte MOG-Protein untersucht.

„Dabei haben wir festgestellt, dass Antikörper gegen MOG im Blut von Kindern mit ADEM sehr schnell abfielen und vielfach nach circa zwölf Monaten nicht mehr nachweisbar waren. Bei MS-Kindern hingegen waren sie kontinuierlich vorhanden und stiegen im Krankheitsverlauf teilweise sogar wieder an“, erklärt Professor Edgar Meinl von der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Das Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) sitzt am äußeren Rand der Myelinhülle der Nervenfasern im Zentralen Nervensystem (ZNS) und ist daher idealer Kandidat für Autoantikörperangriffe wie sie sich bei MS abspielen. In verschiedenen Tiermodellen konnte bereits nachgewiesen werden, dass Antikörper gegen MOG die Myelinhülle zerstören können. Beim Menschen ist die Präsenz von diesen Antikörpern bisher noch nicht genau verstanden.

Eine akut auftretende Entmarkungskrankheit bei Kindern kann der erste Schub einer Multiplen Sklerose sein oder es kann sich um eine ADEM handeln, zu der in der Regel keine weiteren Schübe gehören.

Ziel der aktuellen Untersuchung war es nun, den Langzeitverlauf von MOG-Antikörpern zu untersuchen und zu überprüfen, ob Kinder mit ADEM sich in dieser Hinsicht von Kindern mit MS unterscheiden.

Die KKNMS-Forscher fanden heraus, dass MOG-Antikörper bei etwa einem Viertel der Kinder mit akuter Demyelinisierung nachweisbar waren, besonders häufig bei unter 10-Jährigen. Dabei scheint sich die Immunantwort auf MOG bei vorübergehenden demyelinisierenden Erkrankungen wie ADEM gravierend von jener mit chronischem Verlauf (MS) zu unterscheiden: Bei ADEM-Kindern waren innerhalb eines Jahres keine MOG-Antikörper mehr nachweisbar. Anders bei kindlicher MS: hier blieben die Antikörper über Jahre nachweisbar und stiegen in drei Viertel der Fälle sogar wieder an. „Wir glauben daher, dass der zeitliche Verlauf von MOG-Antikörpern bei Kindern ein geeigneter Prognosefaktor ist, ob sich eine chronische Demyelinisierung des ZNS manifestiert“, sagt Meinl.

MEDICA.de; Quelle: Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS)