Lebendspende auch für Hochrisiko-Patienten

Foto: Nieren

Forscher iltern Antikörper aus dem
Blut und verhindern Abstoßung
durch starke Gewebe-Unverträg-
lichkeit;© panthermedia.net/
Nataliia Natykach

Bisher war es in Deutschland in der Regel ein Ausschlusskriterium für die Lebendspende, wenn das Immunsystem des Empfängers schon vor der Transplantation auf die Gewebemerkmale des Spenders mit Antikörpern reagierte.

Die Lebendspende einer Niere kann Menschen mit endgültigem Nierenversagen eine lange und leidvolle Wartezeit auf das Organ eines hirntoten Spenders ersparen: Derzeit liegt die durchschnittliche Wartezeit bei sechs bis sieben Jahren, in denen der Patient mehrmals wöchentlich zur Dialyse muss und körperlich abbaut. Doch bei rund einem Drittel der potentiellen Lebendspender passt das Organ nicht zum Empfänger: Blutgruppe oder sogenannte Gewebeverträglichkeitsmerkmale (HLA-Merkmale) stimmen nicht überein. Transplantationen über diese Barrieren hinweg sind heute dennoch möglich. Mithilfe komplexer Therapien wird das Immunsystem des Patienten daran gehindert, das neue Organ als Eindringling zu erkennen und zu bekämpfen.

Noch schwieriger wird es, wenn das Immunsystem des Patienten bereits vor der Transplantation sensibel auf die HLA-Merkmale des Spenders reagiert. Das kann der Fall sein, wenn das Immunsystem schon Kontakt zu fremdem Gewebe hatte, zum Beispiel bei Schwangerschaften, Bluttransfusionen oder vorangegangenen Transplantationen. Abwehrreaktionen lassen sich dann kaum verhindern, da die entsprechenden Immunzellen und Antikörper nicht erst gebildet werden müssen, sondern schon im Blut vorhanden sind. „Für diese Hochrisiko-Patienten kam bisher eine Transplantation nach Lebendspende nur sehr selten in Frage. Das Organ muss bei ihnen schon sehr genau passen und selbst dann ist das Risiko, dass die Niere schnell abgestoßen wird, sehr hoch“, erklärt Doktor Christian Morath.

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe aus Nephrologen und Transplantationsimmunologen erarbeitete ein spezielles Therapiekonzept, um das Immunsystem der Hochrisiko-Patienten zu desensibilisieren. Im Rahmen einer Studie kam das neue Konzept seit 2007 bei zehn Patienten mit sehr hohem Abstoßungsrisiko zum Einsatz. Die Mediziner führten bei ihnen drei Wochen vor dem geplanten Transplantationstermin beginnend sogenannte Immunadsorptionen durch. Bei diesem Verfahren wird das Blut ähnlich der Dialyse außerhalb des Körpers über einen Filter geleitet, der Antikörper abfängt. Zusätzlich erhielten die Patienten ein Medikament (Rituximab), das die Bildung neuer Antikörper vermindert. Hierdurch konnte bei den Patienten die Menge der Antikörper gegen die HLA-Merkmale des Organspenders um 98 Prozent gesenkt werden. „Damit hatten sie zunächst einmal die gleiche Ausgangssituation wie Patienten ohne HLA-sensibilisiertes Immunsystem“, sagt Professor Caner Süsal.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg