Bild: Eine AIDS-Schleife 
HIV-spezifische Mortalität geht zurück
© Hemera

Bekanntlich kann eine HIV-Infektion die Lebenserwartung deutlich senken. Anderseits hat die Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (highly active antiretroviral therapy: HAART) die Lebenserwartung infizierter Patienten in den vergangenen zehn Jahren deutlich angehoben. Es wäre daher interessant zu wissen, wie stark die Lebenserwartung HIV-Infizierter unter den aktuellen medizinischen Bedingungen in Industrieländern tatsächlich noch von der normalen Lebenserwartung Nicht-HIV-Infizierter abweicht.

Diese Frage beantwortet jetzt eine dänische Studie, zumindest für dieses nordeuropäische Land. Eine Arbeitsgruppe um Dr. Nicolai Lohse vom Odense University Hospital untersuchte die Daten von 3.990 Personen, die mit HIV infiziert sind und zwischen 1995 und 2005 in Dänemark behandelt wurden. Jeder Fall wurde mit 99 gesunden Kontrollpersonen verglichen.

Die höchste HIV-spezifische Mortalität gab es demnach in den Jahren 1995 und 1996, also kurz vor der Einführung der HAART. Damals lag die HIV-spezifische Mortalität bei 124 pro 1.000 Personenjahren. In der Normalbevölkerung dagegen lag die Mortalität nur bei 4.7 pro 1.000 Personenjahren. Ein infizierter 25-Jähriger hatte damals eine Lebenserwartung von durchschnittlich noch 19.9 Jahren, ein gesunder 25-Jähriger dagegen konnte 51.1 Jahren entgegen sehen.

Dies hat sich deutlich verändert. Heute kann ein 25-Jähriger mit HIV-Infektion damit rechnen, noch durchschnittlich 32.5 Jahre zu leben. Rechnet man jene Patienten heraus, die auch an einer Hepatitis C leiden, liegt die restliche Lebenserwartung sogar bei 38.9 Jahren. Dies sind ungefähr 13 Jahre weniger, als die Normalbevölkerung. Damit haben HIV-Infizierte in etwa eine Lebenserwartung wie Diabetespatienten.


MEDICA.de; Quelle: Annals of Internal Medicine 2007, Vol. 146, S. 87-95