Lebensqualität bei Morbus Parkinson verbessern

01/06/2015
Grafik: Areal markiert im Gehirn

Morbus Parkinson ist gekennzeichnet durch das Absterben der dopaminproduzierenden Nervenzellen im Gehirn. Der Mangel des Botenstoffes führt letztlich zu einer Verminderung wichtiger funktioneller Aspekte wie motorische, kognitive und limbische Regelungen; © panthermedia.net/ vampy1

Die Therapie des Morbus Parkinson besteht aktuell vor allem aus Medikamenten. Diese ist sie bei vielen Patienten nicht ausreichend und die Lebensqualität verschlechtert sich zunehmend.

Eine neue Studie in sechs europäischen Zentren unter Führung des Neurologen Prof. Dr. Lars Timmermann von der Uniklinik Köln berichtet nun erstmalig über Ergebnisse eines neuartigen Hirnschrittmachers: Die behandelten Parkinson-Patienten zeigten eine erhebliche Verbesserung ihrer Beweglichkeit und Lebensqualität, brauchten weniger Medikamente und hatten weniger Probleme im Alltag. Die Ergebnisse wurden heute in der renommierten Fachzeitschrift Lancet Neurology veröffentlicht.

2010 wurde an der Uniklinik Köln weltweit erstmals ein neuartiger aufladbarer Hirnschrittmacher mit acht Kontakten eingesetzt, der es den Ärzten ermöglicht, an jeder Kontaktstelle den Strom genau auf Wirkung und Nebenwirkung des Patienten anzupassen (sogenanntes "Current Steering"). Dieses System wurde nun bei 40 Parkinson-Patienten in Spanien, Österreich, England, Frankreich, Italien und Deutschland in einer Multi-Center Studie untersucht.

Timmermann, sein Wiener Kollege Prof. Francois Alesch und Kollegen berichten nun, dass bereits drei Monate nach der Operation eine erhebliche Verbesserung der Beweglichkeit zu bemerken war: Nach sechs Monaten waren die Patienten bis zu 62,4 Prozentpunkte besser beweglich als vor der Operation. Ein Jahr nach der Implantation waren die Ergebnisse immer noch auf gleichbleibendem Niveau.

Ähnlich starke Verbesserungen konnten die Ärzte bei den Aktivitäten des täglichen Lebens nachweisen: Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich nach zwölf Monaten um 33,8 Prozent vor allem in der Mobilität der Patienten, den Alltagstätigkeiten und dem körperlichen Wohlbefinden. Damit waren insbesondere die Verbesserungen der Motorik deutlich besser als in allen bislang durchgeführten Studien zu Hirnschrittmachern bei Morbus Parkinson.

Gleichzeitig konnte die bisher eingenommenen Medikamente bei den Patienten um 58,1 Prozent reduziert werden. Die beobachteten Nebenwirkungen, wie beispielsweise Sprechstörungen, dagegen waren mit vorangegangenen Studien vergleichbar. "Wir konnten in den vergangenen Jahren bereits vielen unserer Patienten sehr gut mit dieser innovativen Technologie helfen. Gleichzeitig war es unser Ziel, Sprechstörung zu vermeiden und gleichzeitig einen optimalen Effekt zu erreichen. Wichtig war es nun, in einer europäischen Studie diese klinischen Erfahrungen zu bestätigen," erklärt Timmermann.

Die Forschung im Bereich der Bewegungsstörungen und der Tiefen Hirnstimulation hat einen Schwerpunkt in Köln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert hier seit Anfang 2010 eine Klinische Forschergruppe (KFO219) unter der Leitung von Prof. Dr. Gereon Fink, Direktor der Klinik für Neurologie, und Timmermann, Leiter des Schwerpunktes Bewegungsstörungen an der Neurologischen Klinik. Ziel der Förderung ist es, durch Grundlagenforschung die Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln.

Hirnschrittmacher werden bei Parkinson-Patienten und anderen Bewegungsstörungen eingesetzt, wenn ein starker Wechsel zwischen guter Beweglichkeit und schlechter Beweglichkeit nicht mehr durch Medikamente zu kontrollieren ist oder ein Zittern (Tremor) durch Medikamente nicht ausreichend gelindert werden kann. An der Uniklinik Köln werden Hirnschrittmacher in der Klinik für Stereotaxie und funktionelle Neurochirurgie unter der Führung von Prof. Dr. Veerle Visser-Vandewalle eingesetzt.

MEDICA.de; Quelle: Uniklinik Köln

Mehr über die Uniklinik Köln unter: www.uk-koeln.de