Leber beeinflusst Fahrtauglichkeit

Foto: Mann im Auto

Ob eine Leberzirrhose die Fahrtaug-
lichkeit beeinflusst, ist individuell
verschieden; © SXC

Die Bestimmung der Fahrtüchtigkeit mit Computertests ist nicht geeignet, um eine Fahrtauglichkeit im Einzelfall vorauszusagen. Eine generelle Ablehnung der Fahrtüchtigkeit zirrhotischer Patienten mit leichter hepatische Enzephalopathie (HE), einer speziellen Hirnfunktionsstörung, ist deshalb nicht gerechtfertigt, sondern bedarf der Überprüfung im Einzelfall.

Forscher um Professor Dieter Häussinger von der Universität Düsseldorf untersuchten 51 Zirrhosepatienten mit unterschiedlichen Schweregraden der HE und 48 altersentsprechende Kontrollpersonen im Rahmen von realen Fahrtests mit unterschiedlichen Belastungssituationen und einer Fahrlehrerbeurteilung untersucht. Dabei wurde die individuelle Fahrleistung mittels eines mit multiplen Sensoren und Kameras ausgerüsteten Spezialfahrzeugs objektiviert.

Die Gruppenanalyse zeigte, dass bei Zirrhosepatienten im Vergleich zu der lebergesunden Kontrollgruppe in allen drei Testverfahren mit zunehmendem Krankheitsstadium schlechtere Fahrleistungen auftreten. Bereits Personen mit sehr leichter HE machten bei erhaltener Reaktionsgeschwindigkeit überdurchschnittlich viele Fehler beim Fahren, während mit zunehmender Erkrankung auch die Reaktionsgeschwindigkeit verlangsamt war.

Erstaunlich war, dass Zirrhosepatienten bezüglich ihrer Fahrleistung unkritisch waren und diese überschätzten. Bei 25 von 94 Patienten wurden abweichende Resultate zwischen der realen Fahrprobe und dem Urteil des Fahrlehrers und den Resultaten von Computertests nachgewiesen. Dies spricht dafür, dass solche Testbatterien entsprechend der Leitlinien zur Kraftfahrereignung nicht kritisch genug sind, um kognitive Defizite dieser Patientengruppe in ihrer Gesamtheit zu erfassen.

Die Resultate sprechen dafür, dass die Entscheidung über eine Fahrtüchtigkeit zirrhotischer Patienten auf individueller Basis durch einen Realfahrtest erfolgen sollte.

MEDICA.de; Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf