Das Problem vaginaler Geburten nach einer vorangegangenen Sectio wird kontrovers diskutiert. Frühere Studien haben uneinheitliche Ergebnisse gezeigt.

In einer vierjährigen Beobachtungsstudie an 19 akademischen Lehrkrankenhäusern wurden nun Komplikationen bei Mutter und Kind in Fällen einer vaginalen Geburt (17.898 Fälle) mit wiederholten elektiven Kaiserschnitten ohne Wehentätigkeit (15.801 Fälle) verglichen. Alle Frauen hatten zuvor bereits einen Kaiserschnitt erlebt und erwarteten eine Einlingsgeburt.

Unter der vaginalen Geburt trat bei 124 Frauen (0,7 Prozent) eine symptomatische Uterusruptur auf und zwölf zeitgerecht geborene Kinder litten an einer hypoxisch-ischämischen Enzephalopathie. Keines der durch einen Kaiserschnitt auf die Welt gebrachten Kinder hatte diese Erkrankung (p kleiner 0.001). In sieben der zwölf Fälle einer Enzephalopathie war dies die Folge einer Uterusruptur. Damit liegt das Risiko einer solchen Enzephalopathie bei 0.46 Fällen pro 1.000 Frauen, die zeitgerecht vaginal entbinden.

2,9 Prozent versus 1,8 Prozent der Frauen unter vaginaler beziehungsweise Kaiserschnittgeburt erkrankten an Endometritis. Auch Bluttransfusionen waren in der Gruppe der vaginal Entbindenden häufiger (1,7 Prozent versus 1,0 Prozent). Hysterektomien (0,2 Prozent versus 0,3 Prozent) und mütterliche Todesfälle (0,02 Prozent versus 0,04 Prozent) dagegen traten in beiden Gruppen etwa gleich häufig auf.

Insgesamt ist das Risiko für eine mütterliche Komplikation unter einer vaginalen Geburt nach Sectio um 96 Prozent höher als bei einer wiederholten elektiven Sectio. Für die Neugeborenen ist das Risiko einer Komplikation bei vaginaler Geburt sogar um das 2,7-fache höher als bei Kaiserschnitt.

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2004, Vol. 351, S. 2581-2589