Leinsamen hat einen hohen Anteil an Lignanen, die für mehrere Effekte verantwortlich gemacht werden. Lignane beeinflussen den Androgenstoffwechsel, zeigen antimitotische und antioxidative Aktivität und haben Beziehungen zu den Eicosanoiden, welche eine reiche Quelle von nützlichen Omega-3-Fettsäuren sind.

Dies führte nun zu der Studie, an der 161 Männer mit einem nachgewiesenen Prostatakarzinom teilnahmen. Das Durchschnittsalter lag bei 59 Jahren. Vor einer radikalen Prostatektomie erhielten randomisiert ein Viertel der Männer 30 Tage lang 30 Gramm Leinsamen pro Tag. Das entspricht etwa drei Löffeln. Die Leinsamen wurden in die Getränke beziehungsweise unter das Essen gemischt. Ein weiteres Viertel der Männer nahm Placebo. Die restlichen Männer machten entweder eine Diät mit einem geringen Anteil an Fettsäuren oder sie kombinierten die Diät mit Leinsamen. 30 Tage nach Studienbeginn unterzogen sich die Männer der radikalen Prostatektomie. Das entnommene Gewebe wurde von zwei Pathologen beurteilt.

Die Analyse zeigte, dass die Tumoren jener Männer, die Leinsamen eingenommen hatten, deutlich langsamer proliferiert waren als die Tumoren der Männer in den anderen beiden Gruppen (p gleich 0.0013). In der Gruppe, die wenig Fett zu sich nahm, war das Ergebnis knapp nicht signifikant (p gleich 0.053). Besonders gut schlug der Leinsamen bei Männern mit einem niedrigen Gleason-Score an, also wenn die Erkrankung noch nicht weit fortgeschritten ist.

Daraus kann man errechnen, dass Prostatakarzinome etwa 30 bis 40 Prozent langsamer wachsen, wenn die Erkrankten täglich Leinsamen zu sich nehmen. Dies bestätigt frühere in-vitro-Untersuchungen. Diese hatten nämlich gezeigt, dass Lignane das Wachstum von Prostatakarzinomzellen hemmen können.

MEDICA.de; Quelle: American Society of Clinical Oncology 43rd Annual Meeting: Abstract 1510