Noch sind die neuen Empfehlungen nicht ganz abgeschlossen. Ein schon weit gediehener Entwurf wurde aber jetzt auf dem Kongress „American Pain Society 27th Annual Scientific Meeting“ in Tampa, Florida, USA, vorgestellt. Experten weisen darauf hin, dass es für zahlreiche der chirurgischen Interventionsmethoden noch wenig harte Daten zu ihrem Nutzen gibt. Die neue Leitlinie sagt unter anderem:

Invasive diagnostische Verfahren wie die provokative Diskographie oder iliosakrale Gelenkblocktests konnten noch nicht nachweisen, dass sie wirklich bei der Diagnose verschiedener Erkrankungen im spinalen Bereich helfen. Ob sie dazu beitragen können, dass Patienten Erleichterung erfahren, ist zweifelhaft.

Epidurale Kortikosteroidinjektionen sind eine Option für die kurzfristige Schmerzbekämpfung bei persistierenden Radikulopathien, allerdings nicht bei unspezifischen Rückenbeschwerden und Spinalstenosen. Andere Interventionsstrategien wie etwa lokale Injektionen, Botulinustoxininjektionen und die intradiskale Elektrothermaltherapie lassen ebenfalls den Nachweis ihrer Effektivität vermissen.

Nachweisbar nützlich sind aber andere Interventionsverfahren: So kann bei Diskushernie eine Diskektomie kurzfristig bessere Erfolge zeigen als eine langwierige konservative Therapie. Drei bis sechs Monate nach Beginn der jeweiligen invasiven beziehungsweise konservativen Therapie gleichen sich die Ergebnisse aber einander an, so sagt die Leitlinie weiter. Ähnlich gut ist die Beweislage bei chirurgischen Eingriffen zur Behebung einer Spinalstenose. In diesem Falle ist die Operation der konservativen Therapie aber offenbar auch zwei Jahre nach Beginn der Therapie noch leicht überlegen.

MEDICA.de; Quelle: American Pain Society 27th Annual Scientific Meeting Symposium 312