Kindesmisshandlungen geschehen überall auf der Welt. Man unterscheidet gewöhnlich zwischen der Vernachlässigung auf der einen Seite und körperlichen Misshandlugen und sexuellem und emotionalem Missbrauch auf der anderen Seite. Studien sagen, dass etwa 18 Prozent der Fälle auf körperliche Misshandlungen entfallen. Etwa 1,5 bis 15 Prozent aller Notfallbehandlungen von Kindern sind auf Misshandlungen zurückzuführen.

Ärzte haben also eine wichtige Funktion bei der Erkennung und Diagnose von Kindesmisshandlungen. Vor diesem Hintergrund hat das „Committee on Child Abuse and Neglect of the American Academy of Pediatrics“ nun eine Leitlinie herausgegeben, die dem Arzt die Diagnose einer Kindesmisshandlung erleichtern soll. In dieser Leitlinie heißt es unter anderem:

Bei allen Kindern mit Frakturen und solchen unter zwei Jahren mit Verletzungen sollte das gesamte Skelettsystem auf Frakturen untersucht werden. Dazu gehören auch Röntgenuntersuchungen. Zur Abklärung von Blutergüssen empfehlen sich Tests für hämatologische Erkrankungen.

Leberenzymtests können angezeigt sein, um okkulte hepatische Schäden erkennen zu können. Dazu gehören unter anderem die Aspartat-Aminotransferase und die Alanin-Aminotransferase. Ähnliches gilt für Pankreasenzyme wie Amylase und Lipase, welche die Diagnose von Pankreasschäden erleichtern.

In Bezug auf Kopfschäden empfehlen die Autoren Magnetresonanztomographie. Die sei besser dazu geeignet, intrakranielle und extrakranielle Verletzungen aufzuspüren als die Computertomographie (CT), heißt es weiter. Allerdings sei das CT in Verbindung mit einer Röntgenaufnahme erste Wahl, um eine Schädelverletzung zu diagnostizieren. Szintigraphische Aufnahmen des Skelettsystems helfen, versteckte Rippenfrakturen oder Frakturen der langen Röhrenknochen zu erkennen.

Mit Hilfe der Enzyme Troponin, einschließlich ihrer Muskel- und Herzuntereinheiten, sowie der Kretainkinase kann man den Verdacht auf Herzschäden erhärten.

MEDICA.de; Quelle: Pediatrics 2007, Vol. 119, S. 1232-1241