Mit dem steigenden Durchschnittsalter der Menschen steigt auch die Rate der Demenzerkrankungen. Diese Erkrankung kann bislang pharmakologisch nur unzureichend behandelt werden. Zu den Wirkstoffen, die zur Behandlung der Demenz zugelassen sind, zählen unter anderem Donepezil, Rivastigmin und Memantin, die auf verschiedenen physiologischen Wegen wirken. Auf der Basis einer systematischen Literaturanalyse haben die beiden Fachgesellschaften „American College of Physicians (ACP)“ und „American Academy of Family Physicians (AAFP)“ nun Leitlinien zur pharmakologischen Behandlung der Demenz entworfen. Wichtige Aussagen dieser Leitlinien sind:

Es ist nicht angezeigt, jedem Patienten mit einer Demenz einen Wirkstoff aus der Gruppe der Cholinesterasehemmer zu verschreiben. Vielmehr sollten die Patienten individuell untersucht werden und nur bei entsprechender Indikation einen solchen Wirkstoff erhalten. Ärzte dürfen einen Cholinesterasehemmer schon deshalb nicht allen verschreiben, weil diese Wirkstoffe Nebenwirkungen haben können und im Einzelfall abzuwägen ist, ob die Wirkung die potentiellen Nebenwirkungen wirklich überwiegt oder die Lebensqualität nicht zu stark leidet. Außerdem, so die Leitlinie weiter, weiß man noch zu wenig über die optimale Therapiedauer dieser Wirkstoffe.

Ärzte sollten bei der Verschreibung eines Wirkstoffes gegen Demenz neben der Wirksamkeit also die Verträglichkeit, die Einfachheit der Einnahme und nicht zuletzt auch die Kosten des Medikamentes im Auge behalten. Es gibt nämlich bislang nur wenige verlässliche Studien, die die Wirksamkeit der Wirkstoffe untereinander vergleichen. So gewinnen die anderen Faktoren wie Verträglichkeit und Preis an Bedeutung. Solche direkten Vergleiche zwischen einzelnen Wirkstoffen sollten nach Ansicht der Leitlinien-Experten dringend durchgeführt werden.

MEDICA.de; Quelle: Annals of Internal Medicine 2008, Vol. 148, S. 370-378