Längst haben Studien gezeigt, dass Patienten mit einer schweren Pneumonie bessere Überlebenschancen haben, wenn sich ihre behandelnden Ärzte an die Leitlinien der Fachgesellschaften halten. Was bislang aber noch kaum erforscht wurde ist die Frage, welche Ärzte sich eher an die Leitlinien halten.

Spanische Wissenschaftler haben jetzt die Fälle von 1.288 Patienten untersucht, die in 13 unterschiedliche spanische Krankenhäuser wegen einer schweren Pneumonie eingeliefert worden waren. Analysiert für die Studie wurden neben den klinischen und demographischen Daten auch die Schwere der Erkrankung, antibiotische Behandlung und die Fachzugehörigkeit des Arztes.

In 79,7 Prozent der Erkrankungsfälle hatten sich die behandelnden Ärzte an die Leitlinien gehalten. Dieser Wert schwankte jedoch stark von Klinik zu Klinik. Am besten kannten offenbar Pneumologen die Leitlinien zur Pneumonie-Therapie: 81 Prozent hielten sich daran. Ärzte anderer Fachrichtungen dagegen nur in 67 Prozent der Fälle.

74 Patienten (6,1 Prozent) starben an der Pneumonie, bei 175 (14,2 Prozent) versagte die Therapie. Wenn Ärzte sich an die Leitlinie hielten, erhöhte das die Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten: Das relative Mortalitätsrisiko sinkt bei Leitlinien-Compliance auf 0.55, die Gefahr eines Therapieversagen auf 0.65.

Wenn die Therapie von Pneumologen und erfahrenen Oberärzten (residents) verordnet wurde, senkte dies ebenfalls die Rate der Therapieversager.

In einem Kommentar zu dieser Untersuchung zeigten sich Wissenschaftler zwar skeptisch über die Aussagekraft der Beobachtungsstudie, wiesen aber zuglich auf die Wichtigkeit der Leitlinien-Compliance hin.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2005, Vol. 172, S. 757-762