Es hat bereits verschiedene Studien zum Zusammenhang zwischen der Suizidalität der Mutter und der eventuellen Suizidalität von Kindern gegeben. Doch diese waren methodisch häufig nicht einwandfrei und keine Studie hat das Lebensalter berücksichtigt, in dem die Kinder erstmals suizidal auffällig wurden.

Wissenschaftler stellten nun das Ergebnis einer großen longitudinalen Prospektivstudie vor, an der 933 Teenager zwischen 14 und 17 Jahren sowie deren Mütter teilnahmen. Zu Beginn der Studie und durchschnittlich vier Jahre später wurden sie mit Hilfe des „Munich-Composite International Diagnostic Interview“ psychiatrisch untersucht. Explizit befragten die Studienleiter die Probanden auch nach suizidalen Akten im Laufe ihres Lebens.

Suizidale Gedanken traten bei 31,9 Prozent der Mütter und 31,6 Prozent ihrer Kinder auf. Diese Gedanken wurden allerdings nicht in die Tat umgesetzt. 2,3 Prozent der Mütter hatten aber irgendwann tatsächlich versucht, sich umzubringen. Bei ihren Kindern waren es sogar 5,0 Prozent.

Als man nach dem Alter fragte, in dem die Suizidversuche unternommen wurden, zeigte sich: Suizidale Kinder, deren Mütter einen Suizidversuch hinter sich haben, versuchen sich in einem jüngeren Alter das Leben zu nehmen als suizidale Kinder, deren Mütter noch nie einen Selbstmordversuch unternommen haben.

In dieser Studie wurde nicht untersucht, ob auch das suizidale Verhalten von Vätern Einfluss auf Kinder hat. Die Studienautoren vermuten das jedoch. Vorsichtige Aussage der Studienleiter: Suizidalität scheint zu einem gewissen Grad in den Genen zu liegen und lässt sich nicht alleine durch Imitationsverhalten erklären.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Psychiatry 2005, Vol. 162, S. 1665-1671