Viele Onkologen kennen solche Geschichten: Da wird ein Patient mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom mit palliativer Radiotherapie behandelt – und überlebt völlig unerwartet mehr als fünf Jahre. Das ist ungewöhnlich, denn allgemein gilt palliative Radiotherapie als rein symptomlindernd, keineswegs heilend. In einer großen prospektiven Studie sollte nun untersucht werden, wie häufig solche Heilungen geschehen und ob es prognostische Faktoren gibt.

Durchgeführt wurde die Untersuchung in den Jahren 1984 bis 1990 mit 3.035 Patienten. Alle hatten ein histologisch oder zytologisch verifiziertes nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom und galten als unheilbar. Sie wurden mit Dosen von höchstens 36 Gy palliativ behandelt.

Ungefähr 1,1 Prozent der Patienten überlebten mindestens fünf Jahre nach Beginn der Radiotherapie. Bei 18 Patienten konnte sogar mindestens fünf Jahre lang keine Progression festgestellt werden. Und das bei einer durchschnittlichen Überlebenszeit von lediglich 4,6 Monaten in der gesamten Gruppe.

In Bezug auf prognostische Faktoren lässt sich das Folgende sagen: Die Langzeit-Überleber hatten zu Beginn der Behandlung bessere Werte im „Eastern Cooperative Oncology Group performance status“ als Probanden, die keine fünf Jahre überlebten (p gleich 0.024). Außerdem hatten sie seltener Fernmetastasen (p gleich 0.020). Die radiotherapeutische Dosis hat keinerlei Einfluss auf die Überlebenszeit. Jene Patienten, die länger als fünf Jahre überleben, haben zudem eine Chance von 78 Prozent, auch zehn Jahre nach Beginn der Therapie noch am Leben zu sein.

Warum die palliative Radiotherapie in seltenen Fällen auch heilt, ist nicht klar. Möglicherweise leiden die Patienten an einem besonders radiosensiblen Tumor mit einem geringen metastatischen Potential. Weitere Studien sollen das nun klären.

MEDICA.de; Quelle: Cancer 2006, Vol. 106, S. 1117-1122