Man vermutet, dass die Ursachen für Brustkrebs schon im Mutterleib gelegt werden. Zu den möglichen intrauterinen Einflüssen gehören unter anderem bestimmte Sexualhormone. Diese Hormone beeinflussen möglicherweise auch die zerebrale Lateralisation, zu der auch die Händigkeit gehört.

Nun hat man eine große, prospektive Untersuchung zu diesem Thema vorgenommen: 12.178 Frauen aus Utrecht, Niederlande, die zwischen 1932 und 1941 geboren wurden, nahmen daran teil. Zwischen 1982 und 1985, als die Studie begann, füllten sie einen umfangreichen Fragebogen aus, indem sie auch angaben, mit welcher Hand sie schreiben. Schließlich wurden in dieser Probandengruppe alle Krebsfälle bis zum Jahre 2000 analysiert.

165 der untersuchten Frauen (11,6 Prozent) waren Linkshänderinnen. Das Durchschnittsalter der Links- und Rechtshänderinnen war vergleichbar. Auch andere Faktoren wie Lebensstil, Raucherstatus und anderes unterschieden sich nicht wesentlich.

Das Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken, ist bei Linkshänderinnen 39 Prozent höher als bei Rechtshänderinnen. Bei prämenopausalen Mammakarzinomen liegt das Risiko gar um 141 Prozent höher. In Bezug auf postmenopausale Mammakarzinome ist das Risiko bei Linkshänderinnen nicht erhöht.

Besonders gefährdet sind offenbar jene Linkshänderinnen, die normalgewichtig sind, das heißt einen Body Mass Index kleiner 25 kg/m2 haben und solchen Frauen, die Kinder geboren haben.

Auch wenn die Studienleiter aus ihrer Studie keine endgültigen Schlussfolgerungen ziehen wollen, so deuten ihre Daten doch darauf hin, dass die These von der intrauterinen Hormonexposition nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

Buchtipp:
Das Mammakarzinom und andere Erkrankungen der weiblichen Brustdrüse werden ausführlich in dem Lehrbuch "Gynäkologie und Geburtshilfe" aus dem Thieme-Verlag behandelt. In bewährter Form verbindet dieses kürzlich in zweiter Auflage erschienene Werk aus der "Dualen Reihe" einen ausführlichen Fließtext mit einem farblich abgesetzten Repetitorium am Rand. Dort sind die wichtigsten Fakten des Textes noch einmal stichwortartig zusammengefasst. Allerdings bietet auch der Fließtext schon ein hohes Maß an Lese- und Lernfreundlichkeit mit seinen zahlreichen Abbildungen, Merksätzen und Tabellen. Interessante klinische Fälle lockern den Text auf und bauen eine lehrreiche Brücke von der Theorie zur Praxis.

Stauber, Manfred/Weyerstahl, Thomas (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe, 2. aktualisierte Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2005, 800 Seiten, 550 Abbildungen, ISBN 3131253428, 49,95 Euro

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2005, Vol. 331, S. 882-883