Londoner blieben relativ gelassen

Terror am Big Ben? So what!? Die
Londoner sehen das entspannt
© PixelQuelle.de

Die Terrorangriffe auf die Londoner U-Bahn vom 7. Juli 2005 haben 52 Menschenleben gefordert und rund 700 Verletzte. Die psychologischen Folgen bei jenen, die die Anschläge überlebten oder auch nur indirekt davon betroffen waren, waren unbekannt. Man kennt aber vergleichbare Zahlen aus New York, wo nach dem Anschlag vom 11. September 2001 etwa 90 Prozent der Bewohner New Yorks Stresssymptome beschrieben.

Wie steht es damit in London? Eine Telefonumfrage sollte die Antwort bringen. Randomisiert wurden zwischen dem 18. und 20. Juli 2005 Personen aus London angerufen. 1.010 Bürger erklärten sich bereit dazu, ein strukturiertes Interview zu absolvieren, das in ähnlicher Form auch nach dem New Yorker Anschlag benutzt worden war.

31 Prozent der befragten Londoner berichteten über deutliche Stressbeschwerden und 31 Prozent taten kund, sie wollten in Zukunft weniger reisen. Bei bestimmten Personenkreisen waren die Stressbeschwerden ganz besonders stark ausgeprägt: nämlich jene, die nach dem Attentat Schwierigkeiten hatten, Freunde oder Verwandte mit dem Handy zu erreichen (relatives Risiko: 1.7) und jene, die glaubten, Freunde oder Verwandte seien unter den Opfern (relatives Risiko: 3.9). Auch Londoner Bürger islamischen Glaubens berichteten verstärkt über Stressbeschwerden (relatives Risiko: 4.0).

Londoner Bürger weißer Hautfarbe jedoch hatten ein geringeres relatives Risiko, von Stressbeschwerden betroffen zu sein (relatives Risiko: 0.3). Auch frühere Erfahrungen mit Terrorismus machen offenbar cool: Solche Personen hatten ein 40 Prozent geringeres Risiko, von Stress getroffen zu werden. Lediglich zwölf der 1.010 Befragten (ein Prozent) hatten den Eindruck, professionelle Hilfe zu benötigen, um mit den emotionalen Erfahrungen der Terroranschläge fertig zu werden.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2005, Vol. 331, S. 606