Kontrovers wird die Frage diskutiert, welche Rolle die pulmonale Kapazität bei der Prognose nach einer Stammzelltransplantation spielt. Erhöht eine schlechte pulmonale Funktion das Risiko eines frühen respiratorischen Versagens nach der Transplantation? Steigert sie die Mortalität?

Klären sollte das eine retrospektive Studie von Wissenschaftlern des Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, USA. Die Forscher untersuchten die pulmonalen Daten von 2.852 Patienten, die sich zwischen 1990 und 2001 einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation unterzogen hatten.

Im Einzelnen interessierten sich die Wissenschaftler für den FEV1- und FVC-Wert, die totale Lungenkapazität, Diffusionskapazität des Kohlenmonoxid (Dlco) und die alveolär-arterielle Sauerstoffdifferenz (P(A-a)O2. Nachdem die Studienautoren diese Werte mit dem späteren Schicksal der Operierten nach der Stammzelltransplantation verglichen hatten, zeigte sich ein eindeutiger Zusammenhang. Für alle Werte galt demnach: Je schlechter, desto höher das Risiko eines frühen Lungenversagens nach der Transplantation. Auch die Mortalität war höher, wenn die respiratorischen Werte vor der Transplantation schlecht waren.

Die FEV1- und FVC-Werte sowie FEV1- und TLC-Werte beziehungsweise FVC- und TLC-Werte korrelieren stark. FEV1 und Dlco dagegen korrelieren nicht miteinander. Auf der Basis dieser Erkenntnis formulierten die Wissenschaftler einen Score aus verschiedenen Werten, der bereits vor einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation das Risiko eines frühen Lungenversagens nach der Operation und das Mortalitätsrisiko vorhersagen können soll.

Die Studienautoren fordern, vor jeder Stammzelltransplantation umfangreiche Lungenfunktionstests durchzuführen.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 2005, Vol. 172, S. 384-390