Lungenentzündung bei Kindern: Ultraschall statt Röntgen

06/01/2017

Bei Kindern unter fünf Jahren gehören Lungenentzündungen zu einer der weltweit häufigsten Todesursachen. Wenn ein Verdacht auf die Erkrankung besteht, kann die Ultraschalldiagnostik in vielen Fällen eine strahlenfreie und schonendere Alternative zur Röntgenuntersuchung sein.

Bild: Röntgenbild vom Oberkörper eines Kindes; Copyright: panthermedia.net/plepraisaeng

Bisher gilt eine Röntgenuntersuchung als Mittel der Wahl, um Lungenentzündungen bei Kindern zu diagnostizieren. Vorhergehende Ultraschalluntersuchungen können ihnen aber die Strahlenbelastung ersparen; ©panthermedia.net/ plepraisaeng

Darauf weisen Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) angesichts einer Studie im Fachmagazin CHEST hin. Sofern der Ultraschall bei Bedarf durch eine Röntgenuntersuchung ergänzt wird, bietet er eine hohe diagnostische Sicherheit, so das Ergebnis der Studie.

Vielen kleinen Patienten könnte eine Röntgenuntersuchung durch eine Ultraschalldiagnostik erspart bleiben, betonen die Experten der DEGUM. "Um zügig mit einer effektiven Behandlung beginnen zu können, brauchen wir eine schnelle und sichere Diagnose", erklärt Dr. Jörg Detlev Moritz, Leiter der Abteilung für Kinderradiologie an der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Bisher gilt bei Verdacht auf Lungenentzündung eine Röntgenuntersuchung der Lunge als Standard. "Röntgen birgt jedoch insbesondere für Kinder ein gewisses Risiko, da Röntgenstrahlen Zellen im Wachstum schädigen können", erklärt der stellvertretende Leiter der DEGUM-Sektion Pädiatrie. Zudem häufen sich mögliche Strahlenschäden im Laufe des Lebens im Körper an. Medizinischer Ultraschall – die Sonografie – ist bei Kindern deshalb bereits heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren.

Einer aktuellen Studie aus den USA zufolge eignet sich der Ultraschall auch zur sicheren Diagnose einer Lungenentzündung bei Kindern. Die Ärzte eines New Yorker Krankenhauses untersuchten 191 Kinder mit Verdacht auf Lungenentzündung zunächst mit dem Ultraschallgerät. Wenn die Sonografie keine klare Diagnose ergab, griffen die Mediziner auf die Röntgenuntersuchung zurück. Auf diese Weise verringerte sich die Anzahl der Röntgenuntersuchungen um fast 40 Prozent – verglichen mit einer Gruppe von Kindern, die ausschließlich geröntgt wurden. In der Studie blieb keine Lungenentzündung unentdeckt. Zudem stellte sich heraus, dass Ultraschalluntersuchungen weniger Zeit in Anspruch nehmen als Röntgenuntersuchungen.

"Dies ist nicht die erste Studie die zeigt, dass wir eine Lungenentzündung bei Kindern mittels Sonografie sehr gut diagnostizieren können", kommentiert DEGUM-Experte Moritz. Besonders bemerkenswert am aktuellen Ergebnis ist zudem, dass erfahrenere Ultraschallmediziner nur halb so viele Kinder röntgen mussten, um die Diagnose abzusichern, wie die weniger routinierten Neulinge auf dem Gebiet. "Eine Schulung der Ärzte zur Ultraschalldiagnostik bei Lungenentzündungen ist daher ein entscheidender Schritt für eine sichere und schonende Diagnose", betont Moritz. Die DEGUM bietet Kurse an, um Ärzte in der entsprechenden Ultraschalldiagnostik zu qualifizieren.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

Mehr über die DEGUM unter: www.degum.de