Sowohl in Industriestaaten als auch in Entwicklungsländern steigt die Zahl der Kaiserschnitte. In einigen Staaten Lateinamerikas werden inzwischen mehr als 50 Prozent aller Kinder mittels Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Ursprünglich hat man diesen Eingriff nur bei geburtshilflichen Komplikationen oder Gefahren für die Gesundheit der Mutter durchgeführt. Heute kommen weitere Indikationen dazu. Wie wirkt sich ein Kaiserschnitt auf die Morbidität eines Neugeborenen aus, speziell auf seine respiratorische Leistungsfähigkeit?

Dies wollten nun dänische Wissenschaftler wissen und analysierten Daten der „Aarhus birth cohort“. In die Analyse eingeschlossen wurden die Daten aller lebendgeborenen Kinder ohne Behinderungen, die zwischen Januar 1998 und Dezember 2006 zeitgerecht geboren wurden. 34.458 Babys waren dies genau.

2.687 dieser Kinder waren durch Kaiserschnitt auf die Welt gekommen. Im Vergleich zu Kindern, die auf natürlichem Weg geboren worden waren, hatten die per Kaiserschnitt geborenen Kinder ein erhöhtes Risiko, an den Atemwegen zu erkranken. Das relative Risiko lag bei 3,9, wenn die Kinder in der 37. Gestationswoche geboren wurden. In der 38. Gestationswoche liegt das relative Risiko bei 3,0 und sinkt auf 1,9 in der 39. Woche.

Noch ungünstiger ist das Verhältnis bei schweren, lebensbedrohlichen respiratorischen Erkrankungen: Hier steigt das Risiko sogar auf das Fünffache bei Geburt in der 37. Gestationswoche. Dieses Ergebnis war unabhängig von verschiedenen Schwangerschaftskomplikationen wie etwa Schwangerschaftsdiabetes oder Präeklampsie.

Die Autoren erklären dieses Ergebnis damit, dass bei der Geburt möglicherweise Hormone ausgeschüttet werden, die die Lungen schützen und beim Kaiserschnitt fehlen.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2008, Vol. 336, S. 85-87