Die langjährige Erfahrung zeigt, dass rund 30 Prozent der Gewebetyp-identischen Geschwister-Transplantate nach zehn Jahren durch Abstoßung verloren gegangen sind. Wissenschaftler haben jetzt eine Erklärung dafür gefunden: Späte Abstoßungen sind demnach eng mit dem Auftreten bestimmter Antikörper verbunden. Die Antikörper sind entweder selbst für die Abstoßungen verantwortlich oder es kommt ihnen eine Rolle als Indikator für Immunreaktionen zu, die nicht gegen die HLA-Antigene gerichtet sind, denen man bisher die entscheidende Rolle für den Transplantationserfolg zugeschrieben hat.

Die Wissenschaftler konnten auf ihre weltweit größte Analyse von Transplantationsdaten, die "Collaborative Transplant Study" zurückgreifen, an der 245 Transplantationszentren teilnehmen. Es wurden Daten von rund 4.000 Nierentransplantationen zwischen HLA-identischen Geschwistern ausgewertet, von denen etwa ein Viertel ihr transplantiertes Organ durch Abstoßung verloren haben. Der Transplantatverlust durch Abstoßung war abhängig von der Präsenz lympho-zytotoxischer Antikörper, von Proteinen, die vor der Transplantation im Serum der Patienten gemessen werden und für bestimmte Immunzellen, die Lymphozyten, toxisch sind. Bisher hatte man geglaubt, dass diese Antikörper ausschließlich mit HLA-Strukturen auf den Lymphozyten reagieren.

Ein Teil dieser Antikörper muss sich gegen andere Gewebestrukturen auf den Zellen als die bekannten HLA-Antigene richten, denn HLA-identische Geschwister haben identische HLA-Antigene. Entweder induzieren die noch nicht identifizierten Antikörper selbst eine Abstoßung des Organs oder sie sind ein Indikator dafür, dass der Patient ein besonders aktives Immunsystem hat, das durch Reaktionen gegen non-HLA Antigene eine Abstoßung bewirken kann.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2005, Vol. 365, S. 1570-1576