Es wird immer wieder behauptet und entspricht scheinbar dem gesunden Menschenverstand: Wenn es bei sich lockeren Beziehungen, wo beide vorerst nur miteinander ausgehen, zu Gewalttätigkeiten kommt, meist sexueller Gewalt, dann geht diese Gewalt fast ausschließlich von Männern aus. Tatsächlich gibt es Studien, die dies zu belegen scheinen. Diese seien aber häufig kleine Studien gewesen, litten unter einer ungenauen Definition des Begriffes Gewalt und waren regional begrenzt, bedauert Dr. Saba Masho von der Virginia Commonwealth University, Richmond in den USA.

Ihre Studie, die sie jetzt beim Jahreskongress der „American Public Health Association (APHA)“ vorstellte, kommt jedenfalls zu einem erstaunlichen und völlig anderen Ergebnis: Diese Studie bezog sich auf die „Youth Risk Behavior Surveillance Survey“ aus dem Jahre 2005. Dafür waren 13.808 Jugendliche aus 203 Schulen befragt worden. Es handelte sich dabei um die typischen High-School-Schüler im Alter zwischen 14 und 18 Jahren.

Eine der Fragen des umfangreichen Fragebogens war: „Hat Dich Dein Freund/Deine Freundin in den vergangenen zwölf Monaten geschlagen oder absichtlich körperlich verletzt?“ Erstaunliches Ergebnis: 8,8 Prozent der jungen Frauen, aber auch 8,9 Prozent der jungen Männer beantworteten diese Frage mit „Ja“. Bei 70 Prozent dieser Mädchen und 52 Prozent der Jungen waren echte Verletzungen Folge solchen Verhaltens.

Weder das Alter noch die ethnische Herkunft der Jugendlichen hatte einen Einfluss auf dieses Ergebnis. Allerdings erhöht Alkohol das Risiko für Gewalt in solchen „Partnerschaften“ um 50 Prozent. Missbrauch illegaler Drogen erhöht das Risiko, dass Jungen gewalttätig werden, ebenfalls um 50 Prozent. Bei Mädchen dagegen steigert ein schlechtes Bild vom eigenen Körper die Gewaltbereitschaft.

MEDICA.de; Quelle: American Public Health Association 135th Annual Meeting Abstracts 151016, 157784, 153093