Die Prävalenz des Darmkrebses ist bei beiden Geschlechtern ungefähr gleich hoch. Koloskopisches Screening wird bei der Normalbevölkerung mit durchschnittlichem Darmkrebsrisiko ab dem 50. Lebensjahr empfohlen, bei Risikogruppen ab dem 40. Lebensjahr.

Diese Empfehlungen werden von einer neuen polnischen Studie nun in Zweifel gezogen. Sie bezog sich auf die Daten von rund 50.000 Polen, die an einem Screeningprogramm gegen Kolonkarzinome teilgenommen hatten. Alle Teilnehmer waren zwischen 40 und 66 Jahre alt. Die jüngeren Teilnehmer des Screeningprogramms hatten eine Familienanamnese in Bezug auf Kolonkarzinome. Dabei suchten die Ärzte nicht nur nach manifesten Kolonkarzinomen sondern vor allem auch nach fortgeschrittenen Neoplasien in den Därmen. Dies sind Veränderungen von mindestens zehn Millimeter Durchmesser oder höhergradige Dysplasien.

Im Verlauf des Screeningprogramms entdeckten die Wissenschaftler bei 5,9 Prozent der Teilnehmer über 50 Jahre eine solche Neoplasie. Bei den Jüngeren zwischen 40 und 50 Jahren waren immerhin 3,4 Prozent betroffen.

Unter den jüngeren Betroffenen waren Männer stark überrepräsentiert. In allen Altersgruppen war die Zahl jener Patienten, die gescreent werden müssen, um eine Neoplasie zu entdecken (number needed to screen) bei den Männern signifikant niedriger als bei den Frauen.

Auf der Basis dieser Erkenntnisse plädieren die Studienleiter dafür, die bisherigen Empfehlungen zum Kolonkarzinomscreening zu überdenken. Neben dem Alter und Vorerkrankungen in der Familie sollte nach ihrer Ansicht künftig auch das Geschlecht eine Rolle spielen bei der Frage, ob die Untersuchung bei einem Patienten sinnvoll ist oder nicht.

Allerdings muss diese Frage noch in größeren Studien geklärt werden. Ob ein Screening in jüngeren Jahren tatsächlich die Mortalität senken kann, ist nämlich noch nicht geklärt.

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2006, Vol. 355, S. 1863-1872