Männerherzen werden besser behandelt

Mehr Transparenz gefragt - Frauen
werden kardiologisch anders betreut
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Kardiovaskuläre Erkrankungen sind für mehr als 55 Prozent aller weiblichen Todesfälle verantwortlich - und damit für weit mehr, als alle Krebsformen zusammen genommen.

Geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der Behandlung der so genannten Mitralklappeninsuffizienz ging eine französische Forschergruppe um Prof. Bernard Iung (Paris) nach. "Wir konnten hier deutliche Unterschiede in der Behandlung von Männern und Frauen nachweisen", fasst Prof. Iung die Ergebnisse seiner Untersuchung zusammen. "Frauen werden deutlich später zu Spezialisten überwiesen als Männer, auch bei gleichen klinischen Befunden. Wenn sie trotz Diagnose noch kaum Symptome zeigen, werden Frauen weniger häufig operiert als Männer."

Während 53 Prozent der untersuchten Männer eine Klappenoperation erhielten, lag der Anteil bei den Frauen nur bei 37 Prozent. Darüber hinaus lag auch die Mortalitätsrate bei Frauen mit 6,6 Prozent in Zeitraum von drei Tagen nach der Operation deutlich höher als bei Männern (2,2 Prozent).

"Frauen mit schwerer Aortenstenose kommen in einem höheren Alter und mit schwereren Symptomen als Männer zur Therapie", so Iung.

"Nur 24,4 Prozent der Patienten, bei denen akute Wiederbelebungsmaßnahmen bei einem Herzinfarkt erfolgreich sind, sind weiblich", kann die deutsche Herzspezialistin Dr. Birgit Frilling aus Ludwigshafen berichten. "Frauen werden auch später ins Spital gebracht. Während es bei Frauen vom Anfall bis zur Einlieferung durchschnittlich 90 Minuten dauert, liegt diese Zeitspanne bei Männern durchschnittlich bei 76 Minuten."

Außerdem, so Frilling, würde bei Frauen auch weniger oft eine Lysetherapie durchgeführt, eine medikamentöse Auflösung von Blutgerinnseln. All das hat Auswirkungen auf die Überlebenschancen, so die Expertin: "Die Sterblichkeit nach Spitalseinlieferung ist bei Frauen ein Drittel höher als bei Männern. Hier gibt es also bei der Behandlung von akutem Herzinfarkt noch viel Verbesserungsbedarf."

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.