Mäuse-Signalmolekül als neues Angriffsziel

Maus und Mensch: Sie ähneln sich
nicht nur in der Vorliebe für Käse
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Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Symptome der Multiplen Sklerose (MS) durch das Signalmolekül NF-kappa-B in den Zellen des Nervensystems verschlimmert werden. Um das herauszufinden arbeiteten Priv. Doz. Dr. Marco Prinz in der Abteilung Neuropathologie am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen und Dr. Manolis Pasparakis Professor am Institut für Genetik an der Universität Köln mit Mäusen, die an einer MS-ähnlichen Krankheit litten.

Die Wissenschaftler blockierten die Aktivität von NF-kappa-B bei den Tieren und beobachteten, was mit ihren Nervenzellen und den Markscheiden passierte. Um NF-kappa-B zu unterbinden, inaktivierten sie IKK2 und NEMO, zwei Proteine, die das Signalmolekül aktivieren.

"Das war eine Herausforderung", sagt Pasparakis, "weil NF-kappa-B in vielen sehr wichtigen Prozessen im ganzen Körper mitwirkt. Wir haben mit ausgeklügelten genetischen Methoden Mäuse gezüchtet, denen IKK2 und NEMO nur in Gehirnzellen fehlt." Das Ergebnis waren Mäuse, die weit mildere MS-Symptome zeigten als gewöhnlich. Dieser Effekt hängt wahrscheinlich mit der geringeren Menge entzündungsfördernder Signale zusammen, die das Gehirn bei MS produziert.

"NF-kappa-B reguliert die Bildung von Signalen, die bei einer Entzündung produziert werden. Die Signale locken Immunzellen herbei und aktivieren sie", sagt Prinz. "Normalerweise ist das eine sinnvolle Strategie, um den Körper vor Infektionen zu schützen. Aber bei MS-Patienten sind es exakt diese Immunzellen, die Probleme machen. Ihre Hyperaktivierung durch NF-kappa-B macht die Situation nur noch schlimmer."

Indem die Forscher IKK2 und NEMO blockierten, hemmten sie die krankheitsfördernde Aktivität von NF-kappa-B und milderten damit die MS- Symptome. Aus diesem Grund sind die beiden Proteine neue und viel versprechende Ziele für neue Therapien gegen die Krankheit. Das menschliche NF-kappa-B-Signalnetzwerk ist dem der Maus sehr ähnlich.

MEDICA.de; Quelle: Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen