„Die Spermatogenese, also die Ausdifferenzierung der Spermien, fand dann außerhalb des Körpers statt.“ Ob sich in einigen Jahren auch aus menschlichen Stammzellen Spermien gewinnen lassen, ist noch unklar. Für unfruchtbare Männer wäre das ein Lichtblick.

Forscher des CeRA an der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und der israelischen Ben-Gurion-Universität des Negev in Be'er Scheva arbeiten bereits seit rund zehn Jahren in mehreren Arbeitsgruppen zusammen – auch bei der Studie. Die Forscher kultivierten an beiden Forschungsstandorten Stammzellen aus den Hoden von jungen, noch unfruchtbaren Mäusen in einem mit dem Geliermittel Agar-Agar versetzten Nährmedium – und zwar nicht wie üblich auf flachem Nährboden, sondern in einem dreidimensionalen Medium.

Das Gewebe rekonstruierte sich so, dass die Umgebungsbedingungen denen im Hoden sehr nahe kamen. Bis sich Spermien gebildet hatten, dauerte es mindestens 30 Tage. Das entspricht der Zeit, die auch im Mäusekörper benötigt wird. Beim Menschen dauert die Spermatogenese etwa 64 Tage. Das neue Verfahren ist maßgeblich von Doktor Jan-Bernd Stukenborg, ehemals Doktorand bei Schlatt in Münster und nun Forscher am Karolinska-Institut im schwedischen Stockholm, entwickelt worden. Ob die Spermien den natürlich gebildeten Spermien entsprechen, ist allerdings nicht klar: „Es sieht so aus“, sagt Schlatt, „aber wir sind bisher nur den ersten Schritt gegangen und haben mit den Spermien noch keine Nachkommen gezeugt, um das nachzuweisen.“

Falls sich das Verfahren übertragen lässt und alle Hürden genommen werden, kann die Medizin in Zukunft einigen unfruchtbaren Männern zu Spermien für die künstliche Befruchtung verhelfen – und auch Jungen helfen, die sich bereits vor der Pubertät aggressiven Therapien unterziehen müssen und deshalb kein Sperma für spätere künstliche Befruchtung einfrieren lassen können. Davor müssen aber noch weitere Versuche durchgeführt werden. Bis zur Praxisanwendung würde es wahrscheinlich rund fünf bis zehn Jahre dauern. Der Erfolg ist aber ungewiss, so Schlatt.

MEDICA.de; Quelle: Westfaelische Wilhelms-Universität Münster