In einer Veröffentlichung der internationalen Zeitschrift PLoS Medicine haben deutsche Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe von Prof. Stefan Schreiber, Leiter des Instituts für klinische Molekularbiologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, die Expression zehntausender Gene von Patienten mit Colitis ulcerosa und Morbus Crohn untersucht.

Ziel der Studie war es, mittels des genomweiten Ansatzes, ein umfassendes Bild darüber zu erhalten, welche Gene bei diesen Erkrankungen aktiviert sind.
Mittels Mikroarrays konnten die Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Schreiber feststellen, ob bestimmte Gene betroffener Patienten in den entnommenen Darm-Proben aktiv waren. Dabei fanden sie heraus, dass sich in 650 Genen die Aktivität zwischen gesunden und erkrankten Patienten unterschied.

Interessanterweise fanden die Forscher in der überwiegenden Zahl der Fälle eine verringerte Aktivität der Gene, die zu einem Ausfall bestimmter Funktionen führen kann. Bei M. Crohn zeigten 84% der Gene verringerte Aktivität, bei Colitis ulcerosa etwa 42%. Insgesamt waren 122 gemeinsame Gene in beiden Krankheitsbildern reguliert, wobei keines davon in der einen Krankheit erhöhte Aktivität und in der anderen Krankheit verringerte Aktivität zeigte.

Dies unterstütze die Hypothese, dass beiden Erkrankungen gemeinsame entzündliche Prozesse zugrunde liegen, so die Vermutung der Wissenschaftler. Diese Erkenntnis werde ebenso dadurch unterstützt, dass bestimmte Therapien oft bei beiden Erkrankungen anwendbar sind.

In einem zweiten Teil entdeckten sie Veränderungen in vielen Genen, die funktionell mit abnormen Immunantworten in beiden Erkrankungen einhergingen. Außerdem fanden sie bei der Colitis ulcerosa Veränderungen in den Genen, die für Zellwachstum und -vermehrung verantwortlich sind.

Diese Studie mache deutlich, wie komplex der zugrunde liegende Krankheitsprozess in diesen beiden Erkrankungen ist, zeige dadurch aber auch eine Vielzahl potentieller Wege für zukünftige Forschungsansätze auf, so die Forscher.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein