Mögliche Vorzeichen von Multiple Sklerose entdeckt

Foto: Forscherin untersucht Blutproben

Blutuntersuchung bringt neue
Erkenntnisse;© panthermedia.net/
Wladimir Bulgar

Die Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus und niedrige Vitamin-D-Werte werden zurzeit als wichtige Risikofaktoren für die Entwicklung einer Multiplen Sklerose diskutiert. Um diesen Verdacht zu überprüfen, untersuchten Doktor Andrew Chan und seine Kollegen von der Ruhr-Universität-Bochum Blutproben von 25 Multiple-Sklerose-Patienten, die diese vor ihrer Diagnose gespendet hatten. Die Blutproben stammten aus einem Zeitraum zwischen mehr als sieben Jahren bis hin zu zwei Monaten vor dem ersten Auftreten klinischer Symptome der Krankheit. Zum Vergleich analysierten die Forscher Blutproben gesunder Kontrollpersonen gleichen Alters.

Die Untersuchungen konnten zeigen, dass die Vitamin-D-Werte der späteren Multiple-Sklerose-Patienten schon zwei Jahre vor der Diagnose geringer waren als die der gesunden Personen (47,8 Nanomol pro Liter Blut gegenüber 81,6 Nanomol pro Liter). Nach der Diagnosestellung waren die Werte noch einmal um fast die Hälfte niedriger als zuvor.

„Schon frühere Studien haben gezeigt, dass niedrige Vitamin-D-Werte besonders im jungen Lebensalter das Risiko für die Entstehung der Multiplen Sklerose erhöhen. Wir sehen ein Absinken insbesondere innerhalb der zwei Jahre vor dem Auftreten der klinischen Symptome“, erklärt Chan. Warum die Vitamin-D-Werte so niedrig lagen, können die Forscher aber nicht nachvollziehen. Mögliche Faktoren sind neben der Ernährung auch die Einstrahlung von Sonnenlicht auf die Haut.

Die Immunantwort gegen das Epstein-Barr-Virus hingegen fiel bei den späteren Multiple-Sklerose-Patienten schon drei Jahre vor der Diagnose deutlich stärker aus als bei gesunden Menschen. Das Epstein-Barr-Virus (EBV) gehört zur Familie der Herpesviren. Die Infektion erfolgt meistens im Kindesalter und ruft zunächst keine Symptome hervor. Im Alter von 40 Jahren sind bei 98 Prozent aller Menschen Antikörper nachweisbar. Dieses Virus bleibt lebenslang im Körper.

Erst in der Jugend oder im Erwachsenenalter tritt bei 30 bis 60 Prozent der infizierten Menschen das Pfeiffersche Drüsenfieber auf, das durch Epstein-Barr-Virus ausgelöst werden kann. „Einen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Faktoren Vitamin D und Immunantwort auf das Epstein-Barr-Virus konnten wir bisher nicht nachweisen“, sagt Chan. „Wir können ihn aber auch nicht ausschließen. Denn Vitamin D ist vermutlich ein wichtiger Einflussfaktor auf das Immunsystem.“

Die Wissenschaftler betonen, dass diese Ergebnisse noch in größeren Studien detailliert überprüft werden müssen: „Diese Daten führen zunächst zu Hypothesen und sind von Bedeutung, zum Beispiel für weitere klinische Studien mit Vitamin D. Zu einer ‚Früherkennung‘ der MS oder einer Bezifferung des Risikos kann man sie nicht heranziehen."

MEDICA.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum (RUB)