Diese Entdeckung machten Dr. Subramaniam Sriram und sein Team vom Multiple Sclerosis Research Laboratory, Nashville, Tennessee, USA. Sie untersuchten Proben von 20 Patienten mit Multipler Sklerose und verglichen sie mit Geweben von 17 Patienten, die keinerlei neurologische Krankheiten aufwiesen.

Bei sieben der 20 Patienten mit Multipler Sklerose entdeckten die Wissenschaftler im Gehirngewebe, das mit Formalin fixiert worden war, immunhistochemische Zeichen einer Infektion mit Chlamydia pneumoniae auf ependymalen Oberflächen und periventrikulären Regionen. Und zwar unter Verwendung dreier verschiedener Antikörper gegen Chlamydia pneumoniae. Unter den 17 Kontrollpatienten war kein einziger Fall einer solchen immunhistochemischen Reaktion gegen die Bakterienantikörper.

Dann untersuchten die Wissenschaftler gefrorene Gewebe aus dem zentralen Nervensystem. Mit Hilfe der Polymerase-Ketten-Reaktion suchten sie nach Genen für Chlamydia pneumoniae. Fündig wurden sie bei fünf von acht Multiple-Sklerose-Patienten und drei von 18 Kontrollprobanden.

Dieses Ergebnis bestätigt nach Aussagen des Studienleiters Vermutungen, wonach Chlamydia pneumoniae-Bakerien zumindest bei einigen Formen der Multiplen Sklerose eine Rolle spielen. Noch nicht geklärt ist, ob das Bakterium als infektiöser Trigger agiert, der zu einer Autoimmunantwort führt. Denkbar wäre auch, dass das Bakterium erst sekundär einwandert und dann die Entzündungsvorgänge im Rahmen einer Multiplen Sklerose verstärkt.

Der Studienleiter schlägt vor, kontrollierte Behandlungsstudien durchzuführen. Damit soll nachgewiesen werden, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Vorkommen des Bakteriums im Gehirn und der Auslösung beziehungsweise Verschlimmerung einer Multiplen Sklerose gibt.

MEDICA.de ; Quelle: Journal of Infectious Diseases 2005, Vol. 192, S. 1219-1228