Einen Zusammenhang gibt es offenbar auch zwischen der absoluten Zahl von 24-Stunden-Schichten pro Monat und dem Risiko von Autounfällen: Jede einer solchen Mega-Schicht erhöht das Risiko, in einen Autounfall verwickelt zu werden, um neun Prozent. Das Risiko, auf dem Heimweg einen Autounfall zu erleiden, steigt pro Schicht sogar um 16 Prozent.

Das zeigt eine Internet-Umfrage unter 2.737 Krankenhausärzten in den USA. Die Umfrage endete im Sommer 2003, kurz bevor die "Accreditation Council for Graduate Medical Education (ACGME)"-Richtlinien in Kraft traten. Diese Richtlinien begrenzen die Dauer einer Schicht im Krankenhaus auf maximal 24 Stunden und 80 Stunden pro Woche. Die Umfrage zeigte auch, dass Krankenhausärzte in den USA im Durchschnitt 70 Stunden pro Woche arbeiten. 67 Stunden (96 Prozent) der Zeit verbringen sie wach. Im Durchschnitt arbeiten sie 3,9 Nachtschichten pro Monat. Jede dieser Schichten dauert rund 32 Stunden.

Nach Ansicht von Studienautor Prof. Dr. Charles A. Czeisler von der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, USA, zeigt diese Studie, wie gefährlich solche langen Arbeitsschichten sind. Auch wenn sie noch immer von vielen Medizinern als selbstverständlich und sogar nötig betrachtet würden, seien sie doch ein Relikt aus der Vergangenheit. Gefährlich sind solche überlangen Arbeitszeiten vor allem, weil sie zur Schlafdeprivation führen und einem Blutalkoholspiegel von etwa 0,1 Promille entsprechen können.

Inzwischen haben einige US-Bundesstaaten ihre Rechtsprechung für Autofahrer verschärft. Rücksichtsloses Fahren mit entsprechenden versicherungsrechtlichen Folgen im Falle eines Unfalls liegt auch dann vor, wenn sich ein Fahrer nach 24-stündiger Arbeitszeit ans Steuer setzt.

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2005, Vol. 352, S. 125-134