MEDICA App COMPETITION 2016: Neue Chancen für mobile Lösungen

Foto: Gut besuchtes Highlight - MEDICA App COMPETITION in Halle 15

11.07.2016

Auch in diesem Jahr wird die MEDICA App COMPETITION wieder das Programm der weltgrößten Medizinmesse MEDICA als ein besonderes Highlight bereichern. Bis Ende September konnten Entwickler aus der ganzen Welt ihre medizinische App für den Einsatz im Arzt- und Klinikalltag („Medical Mobile Solution“) als Bewerbung für den Live-Pitch während der MEDICA 2016 in Düsseldorf (14. – 17. November) einreichen. Eine Jury hat nun eine Auswahl vorgenommen und entschieden, welche 15 Bewerber ihre App-Lösungen am 16. November in Halle 15 auf der Sonderfläche beim MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM vorstellen dürfen. Informationen zu allen Teilnehmern sowie zur Agenda der App COMPETITION sind ab sofort online abrufbar unter: http://www.medica.de/mac1. „Dies ist der weltgrößte Wettbewerb dieser Art“, erläutert Mark Wächter, Mobile Strategy Consultant, MWC.mobi. Gefragt sind reine business-orientierte Lösungen für die Zielgruppe der Ärzte, Krankenhäuser oder der medizinischen Teams. Wellness-Apps hatten von vornherein keine Chance auf eine Teilnahme.

Jedes Team hat drei Minuten Zeit, seine Medical Mobile Solution auf Englisch zu präsentieren. Weitere zwei Minuten lang bleiben der Jury um inhaltliche Nachfragen stellen. Die Gewinner werden noch vor Ort gekürt und gebührend gefeiert - zum Beispiel bei einem anschließenden Get-together im US-Pavillon.

Ein Blick zurück verdeutlicht die Kreativität, die die App-Entwickler bislang schon auszeichnete. Die Apps „Talkitt“, „SmokeWatchers“ und „MobileODT“ belegten im Vorjahr die Plätze eins, zwei und drei.

Das „CervDx powers MobileODT's Enhanced Visual Assessment (EVA)“ System soll geübte Heilberuflern beim optischen Screening auf Gebärmutterhalskrebs unterstützen. Es bietet die Möglichkeit, Patienteninformationen zu managen, eine digitale Zweit-Meinung einzuholen und den Patienten richtig weiterzuleiten. Wichtig dabei ist in Deutschland, dass Versicherte dort zwar schon immer das Recht hatten, eine Zweit-Meinung einzuholen. Dieser Anspruch wird aber nun im Sozialgesetzbuch für bestimmte Indikationen neu betont. Welche Indikationen dies genau sind, steht noch nicht fest. Selbst die Bundesärztekammer legte bereits 2012 dar, dass die Telemedizin zulässig ist, „sofern sie berufsrechtskonform durchgeführt wird und gewährleistet ist, dass der Arzt den Patienten unmittelbar behandelt und ein weiterer mitbehandelnder Arzt über telemedizinische Verfahren an der Behandlung beteiligt ist.“ So etwas sind bislang gute Voraussetzungen für den weiteren Erfolg von MobileODT.

„SmokeWatchers“ ist ein System eines französischen Entwicklerteams. In Kombination mit einem Bluetooth fähigen Stick, der kompatibel zu handelsüblichen E-Zigaretten ist, erfasst die auf das Smartphone geladene App exakt den Rauchkonsum – bis hin zur täglichen Zahl der Züge an der E-Zigarette und der ungefähren Nikotin-Menge. Im Ergebnis entsteht eine Top-Motivationshilfe, die Datenkurven immer weiter „in den Keller zu drücken“, das Rauchen also stetig zu reduzieren.  

Auf den ersten Platz wurde jedoch „Talkitt“ gewählt, das bis dato erste Produkt des israelischen Jungunternehmens VoiceItt. Diese App ist zwar noch nicht am Markt platziert, ist jedoch sehr innovativ und potenzialstark einzuschätzen. Talkitt will die Möglichkeiten der Verständigung für Menschen revolutionieren, deren Sprachfähigkeiten eingeschränkt sind – unabhängig von der Sprache, die sie sprechen. Maren Lesche, Advisor bei VoiceItt, stellte im vergangenen Jahr die App vor und ist somit in diesem Jahr eines der Jury-Mitglieder. Sie berichtet: „Der Sieg bei der MEDICA kam vollkommen überraschend!“ Obwohl dieser Erfolg nicht der erste für die Firma ist. Die Preisgelder gehören vorerst noch zu den größeren Geldquellen des Start-Ups aus Israel. Mehr als rund 900.000 Euro haben die Macher von Talkitt auf diesem Weg bereits eingenommen. So war dort gut bekannt, wie man sich richtig vorbereitet, wenn man nur drei Minuten hat, um für sein Produkt vor der Jury zu werben.

Mit qualifizierten Nachfragen ist bei MEDICA zu rechnen

Dabei geht es in Düsseldorf nicht darum, den Business-Plan vorzustellen. Vielmehr geht es um Dinge wie die intuitive Nutzererfahrung (UX/UI), Grad der Innovation und den Grad der Problemlösung/ Hilfestellung. Und der Presenter muss in der Lage sein, gute Antworten auf kritische Fragen zu geben: „Das Fachpublikum auf der MEDICA ist ein anderes, als bei reinen Startup-Veranstaltungen. Darauf muss man sich einstellen“, rät Lesche. Dabei ist die MEDICA App COMPETITION kein Wettbewerb, bei dem es um hunderttausende Euro geht. Der rein materielle Gewinn war im vergangenen Jahr ein iPad, das natürlich nützlich für das Start-Up ist. Dieses Jahr wird der 1. Platz mit 2.000 Euro honoriert, der 2. Platz mit 1.000 Euro und der 3. Platz mit 500 Euro. Viel wichtiger war aus Sicht von Lesche aber die Möglichkeit, das Produkt den Entscheidern vorzustellen, die Besucher der MEDICA sind. Mittlerweile ist man mit verschiedenen Anbietern aus dem Gesundheitswesen im Gespräch. Ein Marktstart der „Talkitt“-App ist für Ende des Jahres anvisiert.

Bereits jetzt ist mit „Recorditt“ eine App von VoiceItt in im App Store von Apple herunterladbar. Menschen mit Sprachbehinderung sind aufgerufen, hier Sprachproben abzugeben und zur Entwicklung der App beizusteuern. So wird laut Maren Lesche eine Datenbank aufgebaut, die dazu dienen wird, die „Übersetzung“ von der individuellen Sprache in Normsprache zu verbessern. Je mehr Sprachproben diese Datenbank füllen, desto genauer kann die App ihre Aufgabe erledigen. Die Teilnehmer erhalten dann die „Talkitt“-App für ein Jahr kostenlos. Dies stößt laut Lesche auf große Resonanz, besonders bei Eltern, die ihre betroffenen Kinder motivieren. Mittelfristig könnte das Mini-Programm sogar mehr leisten: Wenn beispielweise Patienten mit Multipler Sklerose einen Schub erleiden, macht sich dies auch an der Sprache bemerkbar. So könnte die App prinzipiell irgendwann auch den Arzt informieren, dass die Krankheit fortschreitet und eine Einladung des Patienten vermutlich sinnvoll ist.

Top und international besetzte Jury

Neben Maren Lesche gehört beispielsweise auch Dr. med. Urs-Vito Albrecht von der Medizinischen Hochschule Hannover in diesem Jahr zur Jury der MEDICA App COMPETITION. Er hat in jüngster Zeit mit der kritischen Studie "Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps – CHARISMHA" öffentliche Aufmerksamkeit erlangt. Mit dabei sind aber auch Ralf-Gordon Jahns (research2guidancet), Ronny Köhler (wdv group), Tom Mitchell (Messe Düsseldorf North-America), Levi Shapiro (mHealth Israel), Dr. Klaus Stöckemann (Peppermint VenturePartners) und Tjaša Zajc (Medicina danes). Nicht nur die Teilnehmer kommen demnach aus aller Welt – auch die Jury ist international aufgestellt.

Autor: Dr. Lutz Retzlaff, freier Medizinjournalist (Neuss)

Aktualisiert: 20. Oktober 2016

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