MEDICA EDUCATION CONFERENCE: Damit Diabetes nicht an die Nieren geht

Am 14. November 2014 ist Welt-Diabetes-Tag – und auch die MEDICA beschäftigt sich mit der Stoffwechselerkrankung: Auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE sind einige Vorträge der sogenannten „Zuckerkrankheit“ gewidmet, die weltweit 382 Millionen Menschen betrifft. Dort werden die von ihr verursachten gesundheitlichen Schäden, Prävention und Therapie aufgegriffen.

03.11.2014

 
Foto: Blutdruckmessgerät

Eine gute Blutdruckeinstellung ist sehr wichtig für die Prävention von diabetischen Nierenschäden; ©panthermedia.net/sergeymakarenko

Die Behandlung der Folgeerkrankungen von Diabetes stellt eine wachsende Belastung für die Gesundheitssysteme rund um den Globus dar. Deshalb sind Präventionsmaßnahmen hier besonders wichtig, denn sie verhindern nicht nur die Folgeerkrankungen und erhalten damit auch die Lebensqualität der Patienten über viele Jahre hinweg, sie sind auch wesentlich kostengünstiger als die Behandlung. Dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt unter anderem das Herz-Kreislauf-System, die peripheren Nerven und die Augen.

Wichtig ist die Prävention auch für die Niere: „Durch den hohen Blutzucker kommt es zu einer Hyperfiltration durch die Niere, das heißt sie wird stärker durchblutet. Augenscheinlich verbessert das zunächst die Nierenleistung, aber die Hyperfiltration verursacht auch sekundäre Schäden. Dadurch kommt es aber zur sogenannten diabetischen Glomerulosklerose, einer morphologischen Veränderung der Nierenkörperchen, die den Urin filtern, sodass sie Eiweiß durchlassen“, erklärt Prof. Jürgen Steinhoff vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck.

Steinhoff wird auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE über aktuelle Studien zur diabetischen Nephropathie referieren. Diese Nierenschädigung kann schlimmstenfalls bis zum Nierenversagen und zur Dialysepflicht des Patienten führen. Die Nephropathie wird bereits früh durch die Eiweißausscheidung im Urin, die Albuminurie, angezeigt und ist im Anfangsstadium noch reversibel, bevor die Eiweißausscheidung zu groß wird: „Das A und O der Prävention ist die Reduktion der Eiweißausscheidung durch eine gute Einstellung des Blutzuckers. Fast noch wichtiger ist eine gute Blutdruckeinstellung, denn erhöhter Blutdruck ist besonders schädlich für die Nieren. Patienten sollten deshalb auch nicht rauchen, denn Rauchen und hoher Blutdruck hängen eng zusammen.“ Ein Nierenversagen und damit eine Dialysepflicht könne zwar nicht bei allen Patienten verhindert, aber durch gute Prävention über viele Jahre hinauszögert werden, indem man den Zustand der Nieren erhalte, ergänzt Steinhoff.

Foto: Teststreifen wird in einem Becher mit Urin getaucht

Durch den Albuminnachweis im Urin ist ein früher Hinweis auf die diabetische Nephropathie möglich, sodass eine Behandlung eingeleitet werden kann; ©singto2/ panthermedia.net

Durch den Albuminnachweis im Urin ist ein früher Hinweis auf die diabetische Nephropathie möglich, sodass eine Behandlung eingeleitet werden kann; ©singto2/ panthermedia.net

Vom Standpunkt der Diagnostik ist die Früherkennung der diabetischen Nephropathie heute zwar sehr gut möglich, wie Steinhoff beschreibt: „Man führt einen Albuminnachweis im Urin durch, das sogenannte Mikroalbumin. Dieser Marker ist eine Indikation zur frühzeitigen medikamentösen Behandlung gegen die Überdurchblutung der Niere. Die Medikamente, ACE-Hemmer oder Sartane, greifen in das sogenannte RAAS-System ein.“ RAAS steht für das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, das den Blutdruck und den Salz- und Wasserhaushalt des Körpers steuert.

In Steinhoffs Augen ist es aber sehr wichtig, dass das Screening zukünftig auch flächendeckend in den Hausarztpraxen stattfinden kann: „Die Hausarztpraxen sind zwar zunehmend sensibilisiert, darauf zu achten, aber die Krankenkassen bezahlen diese Tests nicht immer so, wie es bei einem Diabetiker sein müsste.“ Deshalb bleiben die Untersuchungen lückenhaft. „Patienten,“ sagt Steinhoff weiter, „die eine diabetische Nephropathie entwickeln, müssen früh erkannt werden, bevor der Zustand zu weit fortgeschritten ist. Spätestens beim Nachweis der Mikroalbuminurie müssen die genannten Medikamente konsequent eingesetzt werden, um ein Fortschreiten der Schäden zu verlangsamen.“

Für die diabetologischen Schwerpunktpraxen ist der Test auf eine Eiweißausscheidung kein Kostenproblem, Patienten werden dort aber häufig erst hingeschickt, wenn sich Spätfolgen des Diabetes entwickeln. Im Fall der Nephropathie ist dies durchschnittlich erst nach fünf Jahren der Fall, in denen aber präventiv noch viel für die Niere getan werden könnte.

Prof. Steinhoff wird bei seinem Vortrag auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE auf die Studienlage zur diabetischen Nephropathie eingehen: „Aktuelle Studien zeigen die Effektivität der RAAS-Hemmung, sie zeigen, wie wichtig eine gute Blutdruckeinstellung bei Patienten mit hoher Eiweißausscheidung ist, und wie eine gute Blutzuckereinstellung die Nephropathie so lange wie möglich hinauszögern kann. Außerdem weise ich auf die diagnostischen Möglichkeiten zur Erkennung der Mikroalbuminurie hin.

MEDICA EDUCATION CONFERENCE: Thema "Diabetes"
• Donnerstag, 13.11., 9.00-10.30 Uhr, "Endokrinologie: Diabeteskomplikationen", CCD Süd, Raum 18 - mit Vortrag von Prof. Steinhoff
• Donnerstag, 13.11., 13.30-15.00 Uhr, "Endokrinologie: Diabetestechnologie", CCD Süd, Raum 6
• Donnerstag, 13.11., 15.30-17.00 Uhr, "Geriatrie: Diabetes mellitus im Alter - Spezifische Herausforderungen", CCD Süd, Raum 6
• Samstag, 15.11., 09.00-10.30 Uhr, "Diabetologie: Diabetes und Telemedizin, Neue Technologien", CCD Süd, Raum 111
• Samstag, 15.11., 11.00-12.00 Uhr, "Diabetologie: Diabetes und Telemedizin, Neue Technologien", CCD Süd, Raum 111

Mehr zum Welt-Diabetes-Tag 2014 (englisch)
Foto: Timo Roth; Copyright: B. Frommann

©B. Frommann

Timo Roth
MEDICA.de