MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE blickt in die Zukunft: Wie wird die Sportmedizin 2030 aussehen?

Technik steigert die Performance – dem Arzt gebührt weiter die Schlüsselrolle

Foto: Fitness-"Guru" Mark Verstegen bei der MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE 2015

25.08.2016

Die MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE ist etablierter Bestandteil der mit fast 5.000 Ausstellern aus gut 70 Nationen weltweit führenden Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf. Zu ihrer vierten Auflage wird die mit hochkarätigen Speakern besetzte Fachkonferenz einen Blick in die Zukunft der Sportmedizin wagen. Wie wird sie im Jahr 2030 aussehen? Sportmediziner sowie Experten und Interessierte aus angrenzenden Disziplinen treffen sich zu diesem internationalen Highlight am Dienstag und Mittwoch, 15. und 16. November im Rahmen der MEDICA 2016 (Laufzeit: 14. – 17. November). Dann diskutieren sie beispielweise über neue Ansätze im Vitaldaten- und Leistungsmonitoring, wie digitale Innovationen im Breiten- und Spitzensport helfen, Verletzungen und Krankheiten zu vermeiden, welche neuen Erkenntnisse es zu Trainingsprogrammen und –ausstattung gibt und wie sich die Rollen der beteiligten Akteure verändern werden.

Gleich in den beiden Sitzungen am ersten Tag der MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE, Dienstag, 15. November, wird es visionär mit dem Thema „Body Enhancement“. Die Fortschritte sind auf diesem Gebiet so überragend, dass mittlerweile Prothesenträger nachweisen müssen, dass Sie keinen Vorteil durch die Prothese haben. Zumindest erging es dem Leverkusener „Prothesenspringer“ Markus Rehm so, der am olympischen Weitsprung-Wettbewerb der Sommerspiele in Rio de Janeiro teilnehmen wollte. "Er muss beweisen, dass er durch die Prothese keinen Vorteil hat. Diesen Beweis hat er bislang noch nicht erbracht", soll Sebastian Coe, Präsident des Leichtathletik-Weltverband IAAF, zu den Ambitionen des 27 Jahre alten Paralympics-Siegers gesagt haben. Doch das Alltagsleben von Menschen mit Behinderungen sieht anders aus. Die „Hochtechnologien“ der Leistungssportler sind oft wenig an die Bedürfnisse der Menschen angepasst. Bei der MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE wird nun Prof. Dr.-Ing. Robert Riener, Leiter der Abteilung Gesundheitswissenschaften und Technologie der ETH Zürich, auftreten.

In seinem Eröffnungsvortrag wird er den „Cybathlon“ vorstellen. Personen mit Behinderungen treten gegeneinander an und bewältigen mit roboterunterstützten Assistenztechnologien alltagsrelevante Hindernisse wie Treppen, Rampen, Türen oder unebenes Gelände. Die „Piloten“ aus 23 Ländern treten in sechs Disziplinen an. Dazu zählen ein virtuelles Rennen mit Gedankensteuerung, Fahrradrennen mit Muskelstimulation, verschiedene Parcours für Bein- und Armprothesen sowie Rennen mit elektronisch betriebenen Rollstühlen und Exoskeletten. Der Cybathlon soll einen Entwicklungsschub in Gang bringen, der Assistenztechnologien hervorbringen wird, die das Leben mit Behinderung tatsächlich einfacher machen.

Technologien aus dem Gaming werden Einzug halten

In seinem Beitrag „Sportorthopädie 2030“ wird Dr. Christian Schneider, Mitglied der medizinischen Expertenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes, Vorsitzender der Verbands- und Nationalmannschaftsärzte Deutschlands und Chefarzt für Sportorthopädie an der Schön-Klinik in München-Harlaching, vorstellen, wie der Alltag eines Sportmediziners im Jahr 2030 aussehen könnte und was seine Erwartungen daran sind: „Zentral wird ein integrativer Ansatz für den Patienten sein, bei dem Arzt, Physiotherapeut und/oder Trainer interdisziplinär und eng vernetzt arbeiten und digitale Innovationen sinnvoll nutzen.“ Im Jahr 2030 könnten direkt nach der Diagnose passende personalisierte Therapien und Trainings modular und zeitsparend zusammengestellt werden. Die Digitalisierung hilft aus Sicht von Schneider in mehrfacher Hinsicht. Diagnosen könnten dann sicherlich aufgrund der fortgeschrittenen Technologie noch genauer getroffen werden: „Es liegen dann viel mehr Daten zur Erfolgsaussicht verschiedener Therapien und über die Krankheitsverläufe selbst vor.“ Therapien und Trainings können künftig mitverfolgt werden, deren korrekte Ausführung teilweise automatisch gesteuert (der Patient erhält die Meldung vom System, dass die Übung nicht korrekt ausgeführt wird und wie er sie richtig ausführen sollte) und im Zeitverlauf auch angepasst werden, ohne dass der Patient dafür in die Praxis oder ins Krankenhaus kommen muss. Schneider glaubt: „Technologien aus dem Gaming-Bereich wie Xbox und Wii können dabei sinnvoll eingesetzt werden.“

„Human Performance Enhancement“ auch für die Luftwaffe

Um Innovationen und neue Erkenntnisse, die ab sofort zum Einsatz kommen können geht es am zweiten Tag, Mittwoch, 16. November. Vor einigen Jahren stieg das „Taktische Luftwaffengeschwader 31 Boelcke“ in Nörvenich vom zweisitzigen Tornado auf den Eurofighter um, der nur noch von einem Piloten gesteuert wird. Dies stellte nicht nur die Technik, sondern auch die Piloten und die Flugmedizin vor ganz neue Herausforderungen. Diese wird Kapitän Daniel Porten, Diplom-Sportwissenschaftler und Offizier für präventives Training, am Mittwochmorgen, 16. November, im Rahmen der Sitzung zu Trainingsprogrammen erläutern. Ein Team aus den Disziplinen Chirurgie, Sportmedizin, Psychologie und Physiotherapie soll den Piloten so trainieren, dass er den Eurofighter bis an dessen Grenzen ausreizen kann. Es geht um „Human Performance Enhancement“.

„Sport ist Mord“ – bei richtiger Dosierung ganz sicher nicht

Neue Erkenntnisse, ob hartes Ausdauertraining der Herzgesundheit mehr schadet oder nutzt, wird der Mannschaftsarzt der U21-Fußball-Nationalmannschaft, wird Prof. Jürgen Scharhag, Saarbrücken, vorstellen. Er wird verdeutlichen, dass die Teilnahme an kompetitivem Sport die Lebenserwartung erhöht. Sportmediziner können das EKG laut Scharhag nutzen, um zwischen prinzipiell erwünschten physiologischen Effekten des Trainings und unerwünschten pathologischen Veränderungen zu unterscheiden. Die Marker Troponin und B-Typ-natriuretisches Peptid sind dabei höchstens nach einem harten Training leicht erhöht. Eine besondere Bedeutung kommt auch der Herzratenvariabilität zu. Sie verrät beispielsweise die Belastung durch Stress und Burn-out. Dr. Doris Eller-Berndl, Präventiv- und Arbeitsmedizinerin, erläutert in der gleichen Sitzung den Nutzen der 24-stündigen Erfassung dieses Wertes.

Wearables als „Alleskönner“

Tragbare Systeme („Wearable Technologies“) spielen eine immer größere Rolle im Freizeit- und Leistungssport. Sie geben dem Sportler ständig ein Feedback zu Vital- und Leistungsdaten. Prof. Bjoern Eskofier, adidas Stiftungsprofessur Digitalsport der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, stellt am Mittwochnachmittag, 16. November, insbesondere das Projekt „miLife“ vor, das nicht weniger als eine zentrale, vielfach einsetzbare Plattform für solche Systeme sein will. Hier übertragen körpernahe Sensoren physiologische und biomechanische Daten und übertragen sie auf tragbare Geräte wie Smartphones. Diese Daten werden anschließend durch Algorithmen, hochentwickelte Datenbanktechnologien und Simulationsmodelle ausgewertet. Diese Form der Musterkennung bei Nutzung von Big Data könnte dann das Training unterstützen, zur Bewegung motivieren und zum Erhalt der Gesundheit im Alter beitragen.

Mit Sinn und Verstand den Sport wieder aufnehmen

Prof. Winfried Banzer, Beirat Sportentwicklung DOSB, Dekan des Fachbereichs Psychologie und Sportwissenschaften, Abteilungsleiter Sportmedizin, Frankfurt, setzt sich mit dem Thema „Return-to-play“ unter neurokognitiver Sichtweise auseinander. Der Wiedereinstieg von Profi- und Hobbyathleten und das „sicher zurück zum Sport“ stellen hohe Anforderungen an Leistungsdiagnostik, Screening und Minimierung von Verletzungsrisiken. Dabei spielt auch die kognitive Leistung eine entscheidende Rolle für den erfolgreichen Neustart. Banzer wird in seinem Beitrag erläutern, wie diese gemessen und trainiert werden kann.

Für Top-Training: Das „Leibchen“ mutiert zur Hightech-Ausrüstung

Im Fokus der abschließenden Sitzung zu digitalen Innovationen im Freizeit- und Leistungssport geht es auch um die Kleinsten. Wie beispielsweise das Training von Kindern effektiver gestaltet werden kann, zeigt Julien Denis, Sports Innovation Technologies, in seinem Vortrag zu „eFUNino“ am Mittwochnachmittag. Eine innovative LED-Ausrüstung ermöglicht unter anderem, dass die Spielrichtung und Mannschaftskonstellationen schnell geändert werden können. Die LED-Westen für jeden Spieler können beispielsweise genutzt werden, um die Mannschaftskonstellationen zu ändern. Insgesamt zielt das System darauf ab, die fußballerische Flexibilität und Aufmerksamkeit zu erhöhen.

Die vorgenannten Beispiele spiegeln nur einen Auszug aus dem spannenden Programm der MEDICA MEDICNE + SPORTS CONFERENCE. Die Vielzahl der Partner-Unternehmen der Konferenz belegt wiederum das anbieterseitige Interesse an den Themen sowie das Marktpotenzial, welches gesehen wird. Partner sind etwa: FIRSTBEAT, POLAR, MEDISANA, Medtronic, InBody, Catapult Sports, COSMED oder Oxy4. In einer Guided Innovation Tour durch die Messehallen der MEDICA am ersten Konferenztag können Innovationen der Bereiche „Health and Fitness Monitoring“, „Med Devices“ und „Wearable Technologies“ live erlebt und direkt ausprobiert werden.

Macht die Technik & Digitalisierung den Arzt überflüssig?

Aber was macht dies alles mit der Beziehung zwischen Arzt und Patient? „Der Arzt wird in diesem Zusammenspiel nicht überflüssig werden, er wird eine Schlüsselrolle einnehmen – bei der Entscheidung relevanter Diagnostik und der Einleitung der Behandlungen aber auch bereits in der Prävention“, lautet die selbstbewusste Einschätzung von Dr. Christian Schneider (Vorsitzender der Verbands- und Nationalmannschaftsärzte Deutschlands und Chefarzt für Sportorthopädie an der Schön-Klinik in München-Harlaching). Innovationen bedeuten aus seiner Sicht Fortschritt: „Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, dass wir hoffentlich viel frühzeitiger auf mögliche Krankheitsbilder aufmerksam werden, und am Ende sogar Krankheiten oder Verletzungen vermeiden können. Prävention ist das Stichwort. Wir können zukünftig durch Digitalisierung Patienten viel durchgängiger, vernetzter und persönlicher betreuen. Ich freue mich auf den Austausch zu Innovationen, die uns diesen Fortschritt bringen.“ Die MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE wird hier nicht den Abschluss der Debatte bieten – aber viele Argumente liefern.

Autorenhinweis: Dr. Lutz Retzlaff, freier Medizinjournalist (Neuss)

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