MMSC: "Medizinische Technologien werden den Behindertensport elementar beeinflussen"

Interview mit Andrea Eskau, 21-fache Weltmeisterin und 6-fache Paralympics-Gewinnerin

15.11.2016

Gerade noch in Rio de Janeiro, heute in Düsseldorf: Die 21-fache Weltmeisterin und 6-fache Paralympics-Gewinnerin Andrea Eskau wird heute auf der MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE (MMSC) an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. Heute Mittag und vorab im Interview mit MEDICA.de spricht sie über Technologien und die Zukunft des Behindertensports.

Bild: Andrea Eskau; Copyright: Oliver Kremer/DBS

Andrea Eskau (ganz links) nimmt an einer Podiumsdiskussion auf der MMSC teil; © beta-web/Günther

Frau Eskau, inwiefern beeinflussen Technologien Ihren privaten und sportlichen Alltag?

Andrea Eskau: Technologische Produkte sind insbesondere für meine sportlichen Aktivitäten von großer Bedeutung. Die rasante Geschwindigkeit der Weiterentwicklungen, zum Beispiel bei Leistungsmessern, macht es notwendig, sich ständig mit aktuellen Informationen zu versorgen. Dies ist für den Technologiebereich zum Beispiel sehr gut über www.wiss-netz.de möglich. Auch im privaten Umfeld gibt es eine Vielzahl von Schnittstellen.

Natürlich erhofft man sich auch von den zukünftigen technologischen Entwicklungen einen großen Einfluss auf die persönlichen Bewältigungsstrategien im Zusammenhang mit der eigenen Behinderung. Hier verfolge ich vor allem die Entwicklung von Exoskeletten mit großem Interesse.

Welche Chancen bietet Technologie für den Behindertensport?

Eskau: Die medizinischen Technologien werden den Behindertensport auch in Zukunft elementar beeinflussen. Dies betrifft nicht nur die Prothetik und Orthetik, sondern auch die Informations- und Kommunikationstechnik, welche zukünftig die sportmedizinische Betreuung von Spitzensportlern deutlich optimieren könnte.

Wie sehen Sie die Zukunft des Behindertensports?

Eskau: Der Sport der Menschen mit Behinderung beziehungsweise Einschränkungen wird weiter an Bedeutung gewinnen. Hier muss man ganz klar die rehabilitativen Sportangebote vom paralympischen Leistungssport unterscheiden. Aufgrund des demografischen Wandels wird eine größere Nachfrage nach präventiven und rehabilitativen Sportangeboten entstehen.

Der paralympische Leistungssport wiederum kann die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderung äußerst anschaulich präsentieren und regt nicht selten zur Nachahmung an. Es besteht mittlerweile ein großes gesellschaftliches Interesse an einer umfangreichen Berichterstattung zum paralympischen Sport.
Bild: Andrea Eskau während der Panel Diskussion auf der MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE (MMSC) ; Copyright: beta-web/Günther

Andrea Eskau gewann Goldmedaillen in drei verschiedenen Sportarten (Paracycling: Handbike, Nordic Skiing: Biathlon und Cross Country). Hier zu sehen während der Panel Discussion auf der MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE (MMSC); © beta-web/Günther

Was halten Sie von Wettkämpfen wie dem Cybathlon?

Eskau: Solche Wettkämpfe haben eine große Bedeutung, da sie die technologischen Fortschritte auf einmalige Art und Weise präsentieren. Die Anwendbarkeit der Entwicklungen, aber auch die durchaus noch vorhandenen Schwächen werden äußerst realistisch dargestellt.

Inwiefern hat der Behindertensport auf der MEDICA eine wichtige Bedeutung?

Eskau: Für eine Medizintechnikmesse stellen die Themen Krankheit und Behinderung zwangsläufig Kernbereiche dar. Da der Behindertensport eine wichtige Rolle in der Rehabilitation und Integration spielen kann, sollte dieser natürlich auch auf der MEDICA entsprechend dargestellt sein.

Termin:

MEDICA MEDICINE + SPORTS CONFERENCE
Dienstag, 15. November, Podiumsdiskussion u.a. mit Andrea Eskau, 13:10 Uhr, CCD Süd

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Foto: Nadine Lormis; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann

Das Interview führte Nadine Lormis.
MEDICA.de