Die Diagnose einer Multiplen Sklerose beruht darauf, die räumliche Ausbreitung der wesentlichen Merkmale im Gehirn über die Zeit hinweg nachzuweisen. Die „McDonald-Kriterien” aus dem Jahre 2001 erlauben die Diagnose einer Multiplen Sklerose, wenn eine klinische Attacke vorliegt und sich in der magnetresonanztomographischen (MRI) Aufnahme klare Zeichen einer Multiplen Sklerose ergeben. Allerdings sind diese Kriterien nicht überall anerkannt. Insbesondere herrscht Uneinigkeit über die Bedeutung und Genauigkeit der verschiedenen Krankheitszeichen im MRI. In einer systematischen Studie sollte daher nun die Genauigkeit verschiedener Krankheitszeichen im MRI bei der Diagnose einer Multiplen Sklerose untersucht werden.

In diese Meta-Analyse wurden mit Hilfe verschiedener Datenbanken Studien einbezogen, welche die Diagnosestellung mit Hilfe von MRI-Kriterien mit der anerkannten Standardmethode zur MS-Diagnose verglichen.

29 Studien, darunter 18 Kohortenstudien, flossen in diese Meta-Analyse mit ein. Generell kann man sagen, dass Studien mit einer längeren Nachbeobachtungszeit höhere Spezifitätswerte und geringere Sensitivitätswerte in Bezug auf die Bedeutung der untersuchten Methoden für die Diagnostik einer MS ergaben. Relativ enttäuschend das Ergebnis für die Magnetresonanztomographie: Selbst wenn im Gehirn des Patienten bereits mehr als acht oder sogar zehn Läsionen nachweisbar waren, konnte eine Multiple Sklerose vom MRI-Bild her nicht eindeutig bewiesen werden. Umgekehrt galt: Waren im MRI keine Läsionen zu sehen, konnte man eine Multiple Sklerose dennoch nicht sicher ausschließen.

Die Studienautoren glauben daher, dass es wenig nützlich sei, die Diagnose auf wenige klinische Attacken und das MRI-Bild alleine zu stützen. Dies dürfte nach ihrer Ansicht zu Überdiagnosen führen.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2006, Vol. 332, S. 875-884