Nosokomiale Infektionen mit MRSA treten nicht selten auf Intensivstationen auf. Meist werden die Patienten dann isoliert, um weitere Infektionen zu verhindern. Ob dies mehr nützt als die üblichen Vorkehrungen, ist bislang nur unzureichend bewiesen.

Während einer einjährigen Studie sollt diese Frage nun näher beleuchtet werden. Alle Patienten einer Intensivstation wurden zum Zeitpunkt der Aufnahme auf MRSA-Stämme getestet. Lagen diese vor, wurden die Untersuchungen wöchentlich wiederholt. Während der mittleren sechs Monate des Studienzeitraums wurden die MRSA-positiven Patienten nicht von ihren Mitpatienten isoliert, außer jenen, die auch noch andere multiresistente Pathogene in sich trugen. Während der anderen Monate wurden Patienten dagegen wie gewohnt isoliert. Zu allen Zeiten hielt man das medizinische Personal dazu an, streng den Leitlinien für die Händedesinfektion zu folgen. Die Compliance-Rate betrug allerdings nur 30 Prozent.

Weder die klinischen Charakteristika noch die Rate der MRSA-Weiterinfektionen wurde durch die Isolation beziehungsweise Nicht-Isolation der betroffenen Patienten beeinflusst. Es gab keinerlei Anhaltspunkte, dass sich MRSA während der Zeiten der Nicht-Isolation stärker verbreitete als zuvor oder danach (p gleich 0.94).

Angesichts dieser Zahlen und der Tatsache, dass auch die Isolation eines MRSA-Patienten nicht ohne Risiko ist, raten die Studienautoren dringend dazu, die gegenwärtigen Leitlinien zum Umgang mit MRSA-Patienten zu überdenken. Andere Experten weisen darauf hin, dass die Compliance des medizinischen Personals in Bezug auf die Händedesinfektion "schockierend" sei. Bessere Handhygiene werde auch die Zahl der MRSA-Infektionen verringern, glauben sie.

MEDICA.de; Quelle: Lancet 2005, Early Online