MS: Empfehlungen aus der aktualisierten Leitlinie

30.09.2014
Foto: Hand, auf der "Stop MS" steht

Das Angebot an verfügbaren MS-Therapeutika wächst, macht aber auch die Behandlung der Krankheit komplexer und damit neue Leitlinien erforderlich; ©ijacky/ panthermedia.net

Zwei Neuzulassungen in 2013, zwei weitere in 2014 – das Angebot an verfügbaren MS-Therapeutika wächst. Die stetigen Entwicklungen in Therapie und Diagnostik steigern die Komplexität der MS-Behandlung und machen Behandlungsrichtlinien unerlässlich.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) unterstützen Neurologen daher mit einer Leitlinie zur Therapie der Multiplen Sklerose. Prof. Ralf Gold, Koordinator der Leitliniengruppe und Mitglied der Vorstände von DGN und KKNMS, stellte die Aktualisierungen 2014 auf der Neurowoche in München vor

„Mit der Leitlinie möchten wir behandelnden Neurologen eine Handreichung zur Behandlung von MS-Patienten zur Verfügung stellen. Ziel ist es, Erkenntnisse der Wissenschaft schnellstmöglich in die Praxis zu transferieren und damit eine bestmögliche Patientenversorgung zu gewährleisten“, so Gold. Die Aktualisierungen enthalten Empfehlungen zu neuen wie bestehenden Therapien.

So wird eine Einführung zu den 2013 neu zugelassenen Medikamenten Alemtuzumab, Dimethylfumarat und Teriflunomid gegeben. Schwerpunkt dabei ist die Einschätzung des Risiko-Nutzen-Profils dieser Wirkstoffe – eine besonders wichtige Information bei Therapeutika, die neu auf dem Markt sind, so Gold: „Die Sicherheitsprofile von Dimethylfumarat und Teriflunomid kennen wir durch die Vorgängersubstanzen bereits relativ gut. Anders bei Alemtuzumab – zudem ist dies ein monoklonaler Antikörper, der tief und nachhaltig in das Immunsystem eingreift, was Nachuntersuchungen über vier Jahre notwendig macht.“

Die drei neuen Therapien sowie der im Juli zugelassene Wirkstoff PEG-Interferone wurden in das Stufentherapieschema der MS eingefügt. Hier wurden zudem grundlegende Änderungen in der Bezeichnung der Stufen vorgenommen: Die Unterscheidung zwischen milden/moderaten und (hoch)aktiven Verlaufsformen ersetzt die Unterscheidung zwischen Basis- und Eskalationstherapie. Dies trägt den regulatorischen Entscheidungen Rechnung, die schon frühzeitig die Einstellung auf oder Umstellung innerhalb der Immuntherapeutika im Sinne der Therapieoptimierung ermöglichen.

Die Arbeitsgruppe zur Erstellung der Leitlinie, die Gold leitet, nahm in die Aktualisierung auch neue Erkenntnisse zu bestehenden Therapien auf. So stellte Gold vor, dass bei einer Phase-3b-Studie die etablierten kardialen Sicherheitsvorkehrungen bei der Erstgabe von Fingolimod bestätigt wurden. Zudem sei das generelle Sicherheitsprofil von Fingolimod nun mit über 200.000 Patientenjahren zunehmend gut verstanden: „Soweit momentan beurteilbar, führt die Behandlung mit Fingolimod nicht zu wesentlichen Immunkompetenzproblemen oder der Entwicklung von Neoplasien“, so Gold.

Bei der Therapie der Neuromyelitis optica (NMO) rät die Leitlinie von der Gabe MS-spezifischer Therapeutika ab, da hierunter Verschlechterungen beobachtet wurden. Dagegen gewinnt Rituximab bei der Behandlung der NMO einen zunehmenden Stellenwert – das Medikament zeigt eine gute Wirksamkeit und Verträglichkeit auch über einen längeren Zeitraum.

Eine nächste, umfassende Aktualisierung der MS-Leitlinie kündigte Gold für 2016 an. Dort sollen auch die Informationen zu den neu zugelassenen Therapien vertieft werden.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie