Onkologie: Maßnahmen gegen Arzneimittelengpässe

18.03.2013

Foto: Leeres Tablettenglas

Gemeinsame Maßnahmen von Ärzten, Apothekern, Händlern und Herstellern sollen Engpässe bei Tumormedika-
menten verhindern;
© panthermedia.net/Marc Dietrich

In den letzten Monaten traten mehrfach Versorgungsengpässe auf, die die Behandlungsaussichten von Krebspatienten verschlechtern können. Politische Maßnahmen sollen eine kontinuierliche Versorgung mit Tumormedikamenten gewährleisten.

Es gab im Jahr 2012 mehrere Fälle von Arzneimittelengpässen in der Onkologie. Ein Beispiel ist der Antikörper Alemtuzumab: Der Hersteller hat im Sommer aus kommerziellen Gründen die Zulassung für die Behandlung von Patienten mit chronisch-lymphatischer Leukämie zurückgegeben. „Die Folge ist, dass wir dieses Medikament heute nur noch mit erheblichem bürokratischem Aufwand beschaffen können. Zudem müssen wir behandelnden Ärzte auch noch das Haftungsrisiko tragen“, sagte Professor Mathias Freund, Geschäftsführender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (DGHO).

Bisher sind in Deutschland keine Versorgungsmängel bekannt geworden, die unmittelbar auf Lieferengpässe zurückzuführen waren. „Das Thema hat Deutschland aber erreicht“, betonte Freund. „Wenn nicht bald gehandelt wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Patienten zu Schaden kommen, weil ein wichtiges onkologisches Medikament in einer Notfallsituation nicht zur Verfügung steht.“

In einem ersten Schritt hat die DGHO im Schulterschluss mit der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) eine Notfall-Liste zusammengestellt. Sie definiert onkologische Medikamente, die in der Notfallversorgung von Krebspatienten relevant sein können und die jederzeit verfügbar sein müssen. „Für diese Medikamente sollte es unseres Erachtens erweiterte Vorgaben für die mindestens zu lagernden Mengen geben, die zuverlässig verhindern, dass ein Arzt im Notfall mit leeren Händen dasteht“, so Freund.

Damit lassen sich allerdings nicht alle Probleme lösen, wie die zuständige Ministerialrätin Doktor Dagmar Krüger vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) erläutert: „Die Ursachen für Arzneimittelengpässe sind vielfältig. Eine Einzelmaßnahme hilft deswegen nicht weiter. Unser Ziel ist es, mit Ärzten, Apothekern, Großhändlern und Herstellern gemeinsam Lösungsansätze zu identifizieren und diese zeitnah umzusetzen.“

Krüger gab einen Überblick über denkbare und teilweise schon eingeleitete Schritte der Politik, um das Problem der Arzneimittelengpässe zu entschärfen. Bereits umgesetzt wurde eine Ergänzung von Paragraph 79 des Arzneimittelgesetzes (AMG). „Der neue Paragraph 79, Absatz 5 AMG gibt den Bundesländern die Möglichkeit, bei längerfristigen Versorgungsengpässen Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sofern der Versorgungsengpass durch das BMG festgestellt wurde“, erläuterte sie. Auf diesem Wege könnten beispielsweise bestimmte Vorgaben für Lagerbestände bei notfallkritischen Medikamenten gemacht werden.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V.