Machen Breast Care Nurses Sinn?

Bild: MRI einer Brust

Auf die Brust spezialisierte Pflege-
kräfte sind in Deutschland noch
selten; © NCI Visuals Online

Erst kommt der Arzt mit der Diagnose Brustkrebs und dann ist Michaela Buthenhoff an der Reihe. Die junge Frau ist nun Ansprechpartnerin in allen Lebenslagen rund um die Erkrankung, sie macht mit der Patientin Termine für die Operation aus, spricht mit den Angehörigen. Dafür zieht sie sich in ihr eigenes Büro zurück, in dem sie mit den Frauen in Ruhe sprechen kann.

Bevor Buthenhoff vor einem Jahr eine der ersten Breast Care Nurses in Deutschland wurde, hat sie als Krankenschwester in der Frauenklinik in Heidelberg gearbeitet. Seit sie die Weiterbildung zur Breast Care Nurse beendete, hat sich ihr Arbeitsalltag geändert. Statt Verbände zu wechseln, beantwortet sie Fragen zu Nebenwirkungen bei der Chemotherapie, statt Tabletten zu verteilen, erklärt sie, was man im Krankenhaus braucht. Oberstes Gebot: Sie achtet immer auch darauf, wie die Patientin sich fühlt, ob sie mit der Krankheit zurecht kommt.

Fallen den Patienten die wichtigen Fragen erst zu Hause ein, dann ist das auch kein Problem. Die erkrankten Frauen können die Breast Care Nurse auch über das Telefon erreichen. Kann Michaela Buthenhoff die Frage nicht selbst beantworten, informiert sie sich kurz beim Arzt und ruft dann zurück. "Das geht schneller, als wenn die Patientin selbst mit dem Arzt sprechen muss", sagt sie. Seit Juni 2006 war Buthenhoff die Ansprechpartnerin für über 400 Brustkrebspatientinnen. "Wie stark meine Hilfe in Anspruch genommen wird, ist unterschiedlich. Mit manchen Patientinnen spreche ich zwei Mal, mit anderen fünfzehn."

Allerdings sind die Aufgaben einer Breast Care Nurse in Deutschland nicht genau umrissen. Daher unterscheidet sich der Alltag vieler weitergebildeter Krankenschwestern nicht oft von der klassischen Pflege wie Medikamente verteilen und Patienten zur Operation fahren. So bleiben oft nur einige Stunden am Tag für die Beratung von Brustkrebspatientinnen übrig. Auch die Weiterbildung zur Breast Care Nurse unterliegt keinen klaren Richtlinien: Die Themen sind ebenso wenig vorgeschrieben wie der Umfang der Kurse.

Und darin sieht Rolf Bäumer, Präsident der Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege (KOK) der Deutschen Krebsgesellschaft, ein Problem. Er hält zwar eine Spezialisierung für sinnvoll, aber nur, wenn die Inhalte und der Umfang klar festgelegt sind und die Pflegerin zuvor bereits eine Weiterbildung zur onkologischen Fachpflegekraft gemacht hat. "Diese Weiterbildung gibt es schon seit 15 Jahren, sie ist qualitativ sehr hochwertig und umfasst neben etwa 750 theoretischen Stunden auch praktische Einsätze in unterschiedlichen onkologischen Bereichen." Solche Kenntnisse könne eine Breast Care Nurse in den etwa 200 Stunden, die diese Kurse im Durchschnitt umfassen, gar nicht erlangen. Bäumer fürchtet auch, dass die neue Spezialisierung auf Dauer die onkologische Fachweiterbildung verdrängen könnte, da sie viel kostengünstiger ist.

Michaela Buthenhoff hat beide Weiterbildungen absolviert: Sie ist Fachpflegerin für Onkologie und Breast Care Nurse. Ihrer Meinung nach eine gute Ergänzung. Ihre Fortbildung hat sie bei der DGGP, Gesellschaft für Gesundheits- und Pflegewissenschaften gemacht, die seit 2006 einen neunmonatigen, berufsbegleitenden Kurs anbietet. Teilnehmen können Pflegerinnen und Hebammen, die in einer gynäkologischen oder onkologischen Abteilung arbeiten.

Wie viele Breast Care Nurses es in Deutschland gibt, ist nicht bekannt. "Bei der DGGP haben etwa 70 Frauen die Weiterbildung abgeschlossen, 70 weitere befinden sich noch in der Ausbildung", sagt Sara Marquard, Lehrgangsleiterin der Breast Care Nurse Weiterbildung am DGGP, die zwei Mal im Jahr Kurse anbietet.

Damit Buthenhoff ausschließlich als Breast Care Nurse arbeiten kann, musste am Brustzentrum in Heidelberg viel umstrukturiert werden. Eine extra Stelle bekommt ein Krankenhaus dafür nicht zur Verfügung gestellt. Es gibt auch nicht mehr Geld. Christof Sohn, der geschäftsführende Direktor der Universitäts-Frauenklinik in Heidelberg, empfiehlt trotzdem jedem zertifizierten Brustzentrum, gut zu prüfen, ob eine solche Stelle nicht doch in Frage kommt. Denn die bisherigen Erfahrungen in Heidelberg seien durchweg positiv. "Die Patientinnen wissen es zu schätzen, dass sie jemand an die Hand nimmt und ihnen beim Gang durch die Institutionen hilft", erklärt er.

Michaela Buthenhoff ist von ihren neuen Aufgaben begeistert. "Die Schwestern auf den Stationen sprechen natürlich auch mit den Patientinnen, aber bei dem streng geregelten Tagesablauf bleibt dafür häufig kaum Zeit. Als Breast Care Nurse bin ich als zentrale Ansprechpartnerin nun für Gespräche da."

MEDICA.de