Etwa zehn Prozent aller Patienten, die in den USA einen Allgemeinarzt aufsuchen, leiden an Depressionen. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Wirkstoffe aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) haben die Palette der möglichen Behandlungsoptionen erweitert. Seit 2000 sind die Verschreibungen in den USA um 32 Prozent gestiegen. Verschiedene Studien haben SSRI aber in Verbindung mit einem erhöhten Frakturrisiko gebracht. Allerdings sind diese Studien zum Teil methodisch fragwürdig.

Nun sollte das Frakturrisiko mit Hilfe einer größeren Datenbasis näher untersucht werden. 5.008 Erwachsene im Alter von über 50 Jahren nahmen daran teil. Prospektiv verfolgte man ihren Gesundheitszustand fünf Jahre lang. 137 Personen nahmen täglich einen Wirkstoff aus der Gruppe der SSRI ein, und zwar Citalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin oder Sertralin. Die Studienleiter interessierten sich für minimale Traumafrakturen, die klinisch auffällig waren und dann radiologisch bestätigt wurden.

Tatsächlich scheint das Risiko für solche minimalen Frakturen unter täglicher Einnahme erhöht zu sein. Das relative Risiko verdoppelt sich (2.1). Verdoppelt war auch das Risiko zu stürzen. Außerdem verringerte sich die Knochendichte unter SSRI-Einnahme am Oberschenkelhals. In den Rückenwirbeln zeigte sich ein Trend zu einer geringeren Knochendichte, der jedoch nicht statistisch signifikant ausfiel. Alle diese Effekte waren dosisabhängig, aber unabhängig davon, ob die SSRI zu Beginn der Studie oder auch während des Nachbeobachtungszeitraums eingenommen wurden.

Dieses erhöhte Risiko war auch dann noch signifikant, wenn man verschiedene Parameter mit berechnete, wie etwa das Alter der Probanden, Wirbeldeformitäten, Frakturen zu Beginn der Studie oder Östrogeneinnahme bei den Frauen.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Internal Medicine 2007, Vol. 167, S. 188-194