Jede Mutter, jeder Vater kennt das: Wutanfälle des Nachwuchses im Kleinkindesalter. Studien haben gezeigt, dass Kinder im Alter von 18 bis 60 Monaten durchschnittlich einen Wut- oder Trotzanfall pro Tag haben. 75 Prozent dieser Wutanfälle dauern bis zu fünf Minuten. Doch wann müssen solche völlig normalen Wutanfälle aufhorchen lassen? Wann sind sie ein Alarmsignal, das eine psychiatrische Erkrankung im Kindesalter anzeigen kann?

Nun haben Wissenschaftler in den USA, den Zusammenhang zwischen Wutanfällen im Kleinkindalter und psychiatrischen Erkrankungen untersucht. An der Studie nahmen 279 Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren teil. Sie wurden nach einer gründlichen psychiatrischen Untersuchung einer von vier Gruppen zugeordnet: Gesunde Kinder (150), depressive Kinder (21), aggressive Kinder (54) sowie depressive/aufbrausende Kinder (54). Mit Hilfe verschiedener Skalen und der Hilfe unter anderem der Mütter und Kindergärtnerinnen der Kinder machten sich die Studienleiter dann ein Bild von der Häufigkeit und Art von Wutanfällen bei den Kindern.

Ergebnis der Untersuchung: Es gibt offenbar fünf Typen von Wutanfällen, die aufhorchen lassen sollten, weil sie Anzeichen einer psychiatrischen Erkrankung sein können: Da sind die aggressiven Wutanfälle: Mindestens die Hälfte des Wutanfalls gilt dem Zerstören von Objekten oder dem Angriff gegen die Pflegepersonen. Verdächtig sind auch Wutanfälle, bei denen sich die Kinder absichtlich selbst verletzen, unabhängig von der Frequenz oder Dauer der Anfälle. Dies gilt auch, wenn Wutanfälle an mehreren Tagen mindestens fünf Mal pro Tag auftreten oder länger als 25 Minuten andauern. Fünfter verdächtiger Wutanfall-Typ: Das betreffende Kind kann sich kaum beruhigen, unabhängig von Frequenz oder Dauer des Wutanfalls.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Pediatrics 2008, Vol. 152, S. 117-122