Manche mögen's kalt

Auf Probe und Datenspeicherchip
kommen frostige Zeiten zu
© Fraunhofer IBMT

Ein Organ einzufrieren und Jahre später wieder aufzutauen, ist noch Science Fiction. Für einzelne biologische Zellen wird das Verfahren jedoch schon eingesetzt: Kühlen Forscher Zellen langsam auf die Temperatur von flüssigem Stickstoff, minus 196 Grad Celsius, sind sie unbegrenzt haltbar.

Trotz des hohen Bedarfs an einfacher und sicherer Kryotechnologie sind Kryobanken bisher nur wenig automatisiert. "Der springende Punkt ist die tiefe Temperatur", erklärt Uwe Schön, Arbeitsgruppenleiter im Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT. "Bei minus 150 Grad Celsius entfallen viele Automatisierungsprinzipien, weil zum Beispiel die Schmierstoffe nicht länger funktionieren." Forscher des IBMT bieten Dienstleistungen und Technologieentwicklungen an, um solche Probleme zu lösen - etwa im medizinischen Bereich: Hier ist die eindeutige Zuordnung der Zellen unverzichtbar. Es muss vollkommen sicher sein, dass Proben nicht verwechselt werden können. "Wir haben daher Datenspeicherchips entwickelt, die wir zusammen mit den Proben einfrieren", sagt Schön.

Auf der MEDICA 2005 stellen Fraunhofer-Forscher unter anderem den High-Precision-Freezer vor. Während die Temperatur herkömmlicher Einfrierautomaten mehrere Grad um die vorgegebene Solltemperatur schwankt, weicht dieser Freezer maximal 0,1 Grad von der jeweils vorgegebenen Temperatur ab. "Wir hoffen, dass durch das gleichmäßigere und programmierbare Einfrieren mehr Zellen den Stress des Einfrierens und Auftauens unbeschadet überstehen", erläutert Schön.

Auch die lückenlose Anbindung des Freezers an eine Kryotechnologieplattform ist neu: Die Forscher müssen die gefrorenen Zellen nicht wie üblich durch die Luft bis zum Lagerbehälter tragen und riskieren, dass eine Eisschicht die Substrate überzieht, sondern können sie durch ein Schleusensystem geschützt in den Lagerbehälter überführen.

MEDICA.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft