Rund 30 Prozent aller Erwachsenen haben innerhalb eines Jahres mindestens ein Mal Nackenschmerzen. Fünf bis zehn Prozent so stark, dass dies ihre Arbeit beziehungsweise die Alltagsaktivitäten einschränkt. In Großbritannien wird dies in der Regel durch vier bis zehn physiotherapeutische Behandlungseinheiten therapiert, in den USA mit neun bis zwölf Einheiten. Wie viele Behandlungseinheiten tatsächlich sinnvoll sind, wurde bislang noch kaum wissenschaftlich untersucht.

In einer britischen Studie unterzogen sich nun 268 Patienten im Durchschnittsalter von 48 Jahren mit subakuten und chronischen Nackenschmerzen entweder einer kurzen physiotherapeutischen Intervention (ein bis drei Einheiten), die auch Prinzipien der Verhaltenstherapie umfassten, um die Übungen alleine ausführen zu können. Oder sie wurden wie üblich physiotherapeutisch behandelt, wie es der Physiotherapeut für richtig hielt.

Nach zwölf Monaten hatte sich unter der üblichen physiotherapeutischen Behandlung die Beweglichkeit leicht, aber signifikant deutlicher verbessert als unter der "Kurz"-Therapie, gemessen anhand des "Northwick Park neck pain questionnaire (NPQ)". Allerdings zeigt die Studie auch, dass das Ergebnis stark variierte. Jene Patienten, die der Kurz-Therapie positiv gegenüber standen, zeigten tendentiell bessere Werte im NPQ-Wert, die denen nach üblicher physiotherapeutischer Intervention nicht nachstanden.

Auch wenn das Ergebnis dieser Studie zunächst enttäuschen mag, so zeigt sich doch, dass eine Kombination aus kurzer physiotherapeutischer Intervention und Verhaltenstherapie bei Nackenschmerzen helfen kann. Physiotherapeuten sollten daher nach Meinung der Studienautoren in Verhaltenstherapie geschult werden.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2005, Vol. 330, S. 75