Mangel an Mikronährstoffen bei mehreren Bevölkerungsgruppen

Professor Hans-Konrad Biesalski, Ernährungsmediziner der Universität Hohenheim, sieht die Ursache der partiellen Unterversorgung in mangelnder Aufklärung, hervorgerufen durch fehlende Bereitschaft, den Mangel offen zu thematisieren. Die Ernährungsgespräche sind ein Beitrag im Rahmen des Themenjahres 2011 „Universität Hohenheim – stark durch Kommunikation“.

Wie viel Vitamin D und Calcium insbesondere ältere Menschen brauchen, beleuchtet Professor Heike A. Bischoff-Ferrari, Leiterin des Zentrums für Alter und Mobilität der Universität Zürich. Ab dem 60. Lebensjahr rät sie in Übereinstimmung mit der International Osteoporosis Foundation generell zur Einnahme von Vitamin D. Klinisch belegt sei, dass die ergänzende Vitamin-D-Einnahme Knochenbrüchen vorbeugen könne, und die Sturzgefahr durch positive Auswirkungen des Vitamins auf die Muskulatur gemindert werde. Klinische Studien hätten aber auch gezeigt, dass Knochenbrüche nicht vermindert auftreten, wenn nur Calcium eingenommen werde. Hochdosierte Calcium-Einnahmen mit 1000 mg am Tag und mehr könnten als Monotherapie für die Herzblutgefäße sogar riskant sein.

Auf die Folgen der Unterversorgung mit Zink weist Doktor Hajo Haase vom Institut für Immunologie am Universitätsklinikum der RWTH Aachen in seinem Vortrag „Think zinc“ hin. Bis zu 40 Prozent der Weltbevölkerung leiden möglicherweise an Zinkmangel. Nach Einschätzung der WHO (World Health Organization) sei dieser Mangel weltweit und insbesondere in den Entwicklungsländern eine führende Ursache für den Verlust gesunder Lebensjahre. Bei Unterversorgung mit dem wichtigen Spurenelement kann es zu erhöhter Anfälligkeit für Erkrankungen, insbesondere Infektionskrankheiten, kommen. Mangelernährung, Entzündungen und fortgeschrittenes Alter gelten auch in Deutschland als Verursacher des Zink-Mangels.

Und ein weiteres essenzielles Spurenelement steht auf der Mangelliste: Selen werde in Mitteleuropa zu wenig durch Nahrung aufgenommen, so Professor Josef Köhrle von der Humboldt Universität Berlin. Die Versorgung liege hier am unteren Ende der Empfehlungen, warnt der Experte. „Immer noch sind nicht alle Selenproteine in ihrer biologischen Funktion bekannt und weitere Forschung ist hier von großer Bedeutung“. Bekannt sei, dass Selenproteine an wichtigen biologischen Prozessen in der Schilddrüse, bei der Fruchtbarkeit des Mannes, in der neuronalen Entwicklung, Muskelfunktion oder Immunabwehr sowie bei der Tumorbildung beteiligt sind. Interessanterweise wirke Selen bei Frauen und Männern unterschiedlich. Für beide gilt: Sowohl Selenmangel als auch zu hohe Selenzufuhr schaden.


MEDICA.de; Quelle: Universität Hohenheim