Nur neun Prozent der Frauen aus ländlichen Regionen und elf Prozent der Schwangeren aus städtischen Gebieten nehmen rechtzeitig ausreichende Mengen Folsäure auf. Schulbildung und die persönliche finanzielle Situation spielen bei der Folsäure-Prophylaxe eine entscheidende Rolle.

In der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Studie wurden 895 Frauen in Ostvorpommern über ihre persönliche Lage, zur Planung der Schwangerschaft, geburtsvorbereitende Maßnahmen und die Inanspruchnahme der Folsäure-Prophylaxe befragt.

Bei 69 Prozent der untersuchten Mütter war die Schwangerschaft geplant. Folsäure-Präparate wurden in 79 Prozent der Fälle zu irgendeinem Zeitpunkt der Schwangerschaft eingenommen. Die Analyse des Einnahmeverhaltens zeigte geringe Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Entbindungseinrichtungen. Die Folsäureeinnahme entsprechend den wissenschaftlichen Empfehlungen nehme signifikant mit dem Grad der Schulbildung und mit dem monatlichen Einkommen zu. Erhebliche Differenzen treten auch beim Vergleich von Erwerbstätigen und Nicht-Erwerbstätigen auf.

Bei Frauen in schwieriger sozialer Situation und fehlender Arbeit zeigten sich bedenkliche Informationsdefizite, die zu einer starken Vernachlässigung der Vorsorgemaßnahmen insgesamt führten. Grundsätzlich konnte festgestellt werden, dass ein hoher Prozentsatz der Mütter in der analysierten Region nicht rechtzeitig Folsäure einnimmt.

"Daraus lässt sich wie im Fall der offensichtlich unzureichenden Schwangerschaftsvorsorge in Ostvorpommern konkreter Handlungsbedarf für die Gesundheit der Bevölkerung ableiten. Die mangelnde Inanspruchnahme der Folsäure-Prophylaxe erfordert ein Interventionsprogramm und eine verstärkte zielgruppenorientierte Aufklärung, insbesondere an den Schulen und in den Medien, sowie eine engere Kooperation mit den niedergelassenen Frauenärzten.", sagt Prof. Christoph Fusch, Leiter der Studie.

MEDICA.de; Quelle: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald