Massen-Screening zur Augengesundheit

Das Projekt ist eingebettet in das Programm „Vision 2020“ der Weltgesundheitsorganisation WHO, das zum Ziel hat, weltweit bis 2020 möglichst jede einzelne vermeidbare Erblindung zu verhindern.

Die umfangreiche Studie wurde vom Beijing Institute of Ophthalmology (BIO) durchgeführt, dem WHO Zentrum für Ophthalmologie (Augenheilkunde) in China. Professor Jost Jonas von der Universitätsmedizin Mannheim ist seit 2006 Ehrendirektor dieses Institutes. Der Augenspezialist pflegt dort eine wissenschaftliche Zusammenarbeit, die wesentlich dazu beigetragen hat, dass das BIO zusammen mit dem ihm angegliederten Tongren Hospital zu den drei wissenschaftlich führenden ophthalmologischen Institutionen im Land zählt.

China ist mit fast 1,34 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde und der von der Fläche her größte Staat Ostasiens. Für eine flächendeckende Erfassung und Versorgung der Bevölkerung im Bereich der Augenheilkunde fehlt es bislang an der nötigen Infrastruktur, als auch an Kenntnissen über die Verbreitung von Sehschwäche und die ihr zugrunde liegenden Erkrankungen. Mit dem „Beijing Eye Public Health Care Project“ ist auf Basis der Telemedizin eine Infrastruktur für das Massen-Screening von älteren Menschen entwickelt und deren Effizienz gemessen worden.

Um den Augenstatus der mehr als eine halbe Million Menschen zu erfassen, wurden 2 500 Hochschulabsolventen in der Augentechnik geschult. Probanden mit einer Sehschärfe geringer als 0,3 wurden an regionale Gesundheitszentren überwiesen, in denen die erkrankten Augen fotografiert wurden. Via Telemedizin wurden die Aufnahmen an ein Zentrum transferiert, in dem der Grund der Sehschwäche zentral diagnostiziert wurde.

Das öffentliche Gesundheitswesen in China verfügt nun aufgrund dieses Projektes über hervorragende Daten zur Verbreitung von Sehschwäche sowie den zugrunde liegenden Erkrankungen in der untersuchten Population. Zur Statistik: Bei knapp zehn Prozent der untersuchten Menschen wurde auf mindestens einem Auge eine Sehschwäche diagnostiziert. Der Augenhintergrund von mehr als 34 000 Menschen wurde gespiegelt. Neben dem Katarakt (grauer Star), einer Trübung der Augenlinse, waren Erkrankungen der Retina (Netzhaut), inklusive der diabetischen Retinopathie, und das Glaukom die häufigsten Gründe für eine Sehschwäche.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsmedizin Mannheim